LV-Standmitteilungen: Neue Pflichten und unverbindliche Empfehlungen

Versicherungen Top News von Henning Kühl

Für die Ausarbeitung der Durchführungsverordnungen sollte das Bundesfinanzministerium die neuen Pflichtangaben konkreter fassen: Details wie Stichtagsregelungen beispielsweise können erhebliche Auswirkungen auf die Vertragswerte haben. Wenn der Vertragsstand gravierend vom Versandtermin abweicht, sinkt der Informationsgehalt vor dem Hintergrund von Änderungen bei Dynamiken beispielsweise dramatisch. Nicht geregelt ist auch, zu welchem Termin der Auszahlungsbetrag berechnet ist. Wenn Rückkaufswerte beispielsweise zur nächsten Hauptfälligkeit im Folgejahr mitgeteilt werden, hat das ebenfalls äußerst eingeschränkten Nutzen.

Standmitteilung: Mindestrente für Anwartschaft erreicht?

Ein weiteres konkretes Beispiel: Für Rentenversicherung macht die obligatorische Information über den Auszahlungsbetrag Sinn. Denn bis dato wird aus den Werten in der Standmitteilung oft nicht klar, ob die Mindestrente für eine Anwartschaft bereits erreicht ist. Das kann selbst bei Experten zu Missverständnissen bei der Bewertung von Rentenpolicen führen, sinkt doch zu diesem Zeitpunkt der Rückkaufswert der Police deutlich – um den Kapitalwert der Anwartschaft. Hier unterscheiden sich die Darstellungen der Versicherer derart gravierend, dass ein Vergleich meist nicht möglich ist. Aktuell wird mitunter nicht klar, ob die Anwartschaft bereits gebildet ist und in welcher Höhe und ob es sich damit bei genannten Werten um Rückkaufswerte (inklusive Anwartschaft) oder reine Auszahlungsbeträge bei sofortiger Kündigung handelt. Hier verspricht der §155 ein Stück weit mehr Klarheit, jedoch keine umfassende Transparenz.

Viel Arbeit für Lebensversicherer

Auf viele Lebensversicherer kommt mit den neuen Informationspflichten Arbeit zu. Es bleibt der ausdrückliche Wunsch, dass das eine oder andere Unternehmen beim Nachbessern in Sachen Vollständigkeit sich auch die Form der Standmitteilung vornimmt. Hier hat die Versicherungskammer Bayern Vorbildcharakter: Für die Bayern-Versicherung hat sie den bis dato fehlenden Rückkaufswert bereits im Juni ergänzt und die Form deutlich überarbeitet und verbessert, bevor das Gesetz überhaupt verabschiedet war und mehr als ein Jahr vor Inkrafttreten.

Zum Autor: Henning Kühl ist Chefaktuar der Policen Direkt-Gruppe. Die Policen Direkt-Gruppe ist Marktführer im Ankauf deutscher Lebensversicherungen und der führende Anbieter für Investments in deutsche Zweitmarktpolicen. Insgesamt verwaltet Policen Direkt Zweitmarktpolicen im Wert von rund einer Milliarde Euro und ist damit der größte Asset Manager für Zweitmarktpolicen in Deutschland und gleichzeitig größter institutioneller Versicherungsnehmer.

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