LV-Standmitteilungen: Neue Pflichten und unverbindliche Empfehlungen

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Lebensversicherung: Warum die neuen Vorschrfiten für Standmitteilungen zwar ein Riesenfortschritt in Richtung Transparenz, aber keineswegs eine Garantie für Verständlichkeit sind, erklärt Henning Kühl (Policendirekt) im Gastbeitrag.

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Henning Kühl (Policen Direkt) erklärt, warum er in den neuen Vorschriften für die Standmitteilungen der Lebensversicherer einen Schritt in die richtige Richtung sieht. Bild: Policen Direkt

Die Chancen stehen gut, dass sich Versicherte bald ein realistischeres Bild von ihrer Lebensversicherung machen können. Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause den §155 VVG zu den jährlichen Informationspflichten entsprechend geändert. Das ist ein Riesenfortschritt in Richtung mehr Transparenz, aber keineswegs eine Garantie für verständlichere Standmitteilungen. Der Gesetzgeber hat die Pflichtangaben erweitert.
Ab sofort müssen Lebensversicherer ihren Kunden den aktuellen Auszahlungsbetrag bei Kündigung, die Todesfall-Leistung und garantierte Ablaufleistung und die Ablaufleistung bei Beitragsfreistellung mitteilen. Für Neuabschlüsse sind zudem die eingezahlten Beiträge obligatorisch.

Was bis dato gilt, reicht schlicht nicht aus. Gesetzlich vorgeschrieben ist seit 1994 nur die Nennung der garantierten Überschüsse. Die Folge ist ein Wildwuchs in der Ausgestaltung der Standmitteilungen, die so ihren Zweck in vielen Fällen nicht erfüllen. Einige Versicherer verzichten auf den Rückkaufswert. Kaum einer setzt aktuell standardmäßig seine Kunden über die beitragsfreie Ablaufleistung in Kenntnis. Keiner nennt von sich aus die eingezahlten Beiträge. Man überlässt es den Versicherern zudem auch, wie verständlich sie ihre Kunden über den Stand der Lebensversicherung in Kenntnis setzen.

Idealfall: Klare Trennung garantierter und nicht garantierter Werte

Doch auch mit der Neuregelung des Gesetzes bleibt es dabei: In welcher Form die Mindestangaben gemacht werden, ist nach wie vor nicht näher geregelt. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass eine Standmitteilung nicht nur vollständig und korrekt, sondern auch nachvollziehbar und verständlich ausgearbeitet ist.

Der GDV hat hier einen brauchbaren Vorschlag erarbeitet, der unter anderem verständliche Formulierungen, Erklärungen für Fachwörter, Tabellen statt Fließtexte und die klare Unterscheidung von garantierten und möglichen Leistungen vorsieht. Doch diese unverbindliche Empfehlung bleibt weitgehend unbeachtet, wie auch eine gemeinsame Ausarbeitung von BVZL und Policen Direkt, die in einigen Punkten noch weiter ins Detail (https://www.policendirekt.de/standmitteilung-lectus/) geht. Schade. Denn so könnten Versicherer Missverständnissen, Fehlinterpretationen und nicht zuletzt negativer Berichterstattung vorbeugen. Dieser positive Effekt setzt auch ein, wenn klar wird aus welchen Einzelwerten sich die Pflichtangaben zusammensetzen – keineswegs selbstverständlich, weil ebenfalls nicht vom Gesetzgeber vorgegeben.

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