IDD und delegierte Rechtsakte – Nach dem Spiel ist vor dem Spiel...

Berater Top News IDD von Christian Müller, RWM Group

Welche nächsten Schritte zu erwarten sind

Die Konsultationsphase endet am 3. Oktober 2016. Im Anschluss daran plant EIOPA bis Februar 2017 die Erarbeitung einer Vorlage für die Übermittlung an die EU Kommission und Finalisierung der delegierten Rechtsakte. Sie lesen richtig - die Daten stimmen. Die Papiere müssten also längst da sein. Und obwohl sie fehlen, muss schon ihre Umsetzung vorbereitet werden.

Und was bedeutet das für die Praxis? Einige Hypothesen dazu, die aktuell in der Fachdiskussion – auch auf GDV Ebene - sind:

  • IDD-Konformitätserklärungen werden Vertragsbestandteil in Courtagezusagen (übrigens: Nicht-IDD-Konformität wird mit bis zu 5 Mio. € bzw. 5 % des Jahresumsatzes geahndet. Das gilt auch für Vermittler)
  • Incentives und Zielvereinbarungen wie Umsatzziele erfahren mutmaßlich einer Nachschärfung und auch Änderung in der Vergütungsstruktur
  • Neue Beschwerdestellen und Whistleblowing-Verfahren werden definiert
  • Bei LV-Produkten mit Fonds wird sich die Notwendigkeit einer Angemessenheitsprüfung ergeben. Passt der Fonds zum Kunden? Passt das Produkt zur Einkommenssituation? Themen, die im Banking-Bereich bekannt sind, halten Einzug in die Assekuranz. Das wird spannend im Detail.
  • geänderte und präzisierte Beratungsdokumentation
  • Vereinzelt wird in dem Bereich – auch aus dem Banking-Bereich und MIFID bekannt – schon über lückenlose Dokumentation jedes Kundenkontaktes diskutiert. Also alle WhatsApp-Mails, Telefonate, Briefe mit Relevanz revisionssicher in einer Kundenakte zu verwalten und für 5 Jahre vorzuhalten Das wird spannend und technisch herausfordernd.
  • Ausplanung des Prozesses „Best-Execution“ im LV-Fonds-Bereich (diese Details erspare ich Ihnen)
  • Auditierung von Maklern durch den Versicherer

Alle diese Themen werden im Detail voraussichtlich unter dem Weihnachtsbaum zu finden sein. Und sehr wahrscheinlich wird es jeder Versicherer anders handhaben. Jetzt schon absehbar: Viel Post ist zu erwarten, einiges wird angenehm sein, anderes einfach nur Aufwand generieren. Ob sich dadurch der Verbraucherschutz bessert, die Branche transparenter wird? Ich wage da aktuell keine gesicherte Prognose. Sicher ist nur: All die Änderungen müssen auch in der Praxis umgesetzt werden. Lange Arbeitstage sind vorprogrammiert.

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