IDD-Umsetzung: „Letztes Aufbäumen der Provisionsindustrie“

Berater IDD von Michael Fiedler

Die Umsetzung der IDD in deutsches Recht hat beim Verbund Deutscher Honorarberater (VDH) Frust über das Einknicken der Politik vor „Provisionslobby“ ausgelöst. Besonders die Zulassung von sogenannten „Mischmodellen“ regt den VDH auf.

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Dieter Rauch ist nicht mit allen Änderungen bei der IDD-Umsetzung zufrieden. Bild: Screenshot youtube/Honorarberater TV

Der Frust über die IDD-Umsetzung scheint bei Dieter Rauch, Geschäftsführer vom Verbund der Deutscher Honorarberater (VDH) tief zu sitzen. Die Umsetzung sei weichgespült, man müsse sich für das Einknicken der Politiker vor der „Provisionslobby“ fremd schämen – im Nachgang der Honorarberater Konferenz (29. Juni in Kassel) wurde nicht an deutlichen Worten gespart.

Rauch hält die nun geplante Umsetzung für weniger verbraucherfreundlich als den ursprünglichen Entwurf. Ein Grund dafür ist, dass das Honorarannahmeverbot für Vermittler nicht mehr vorgesehen ist. Damit, so Rauch, würden „Mischmodelle“ ermöglicht werden. „Ein Geschäftsmodell, das sich seit Längerem wie die Pest verbreitet und das mit Honorarberatung nichts zu tun hat”, kritisiert VDH-Chef Rauch. Praktiziert werde dies vorzugsweise von als Pseudo-Honorarberater getarnten Vermittlern, die „ihre Policen gegen utopische Honorare meist über Factoring-Verträge verticken.”

Provisionsabgabe: Versicherungsberater im Vorteil

Dass solche Modelle nun doch möglich bleiben, sei ein „letztes Aufbäumen der Provisionsindustrie, das leider zulasten der Verbraucher geht”, so Dieter Rauch, der dieser „Volksverdummung“ durch Aufklärung entgegenwirken will. Die Vermittlung von Produkten ist nur die Nebenleistung einer fundierten Beratung und kein Mittel zum Zweck der Vergütung, versucht der VDH den Unterschied aus seiner Sicht zu verdeutlichen. Dass Versicherungsberater im Gegensatz zu Versicherungsmaklern künftig Provisionen bei Bruttotarifen erstatten dürfen, sieht Rauch als einen Wettbewerbsvorteil. Etwas vollmundig allerdings ist seine Schlussfolgerung: „Verbraucher erhalten somit eine staatlich garantierte neutrale Beratung. Denn das Beratungsergebnis ist nicht von der Höhe bzw. überhaupt der Vergütung durch einen Produktgeber abhängig.“ Auch wenn nicht alle Pläne aus dem ursprünglichen Entwurf umgesetzt wurden, sieht der VDH in der IDD-Umsetzung einen weiteren Sargnagel für das Provisionssystem.

Verbraucherschutz: Auch Honorarberatung birgt Interessenkonflikte

Allerdings: Ganz so einfach, wie Rauch es manchmal darstellt, ist es doch nicht. Sieht zumindest Niels Nauhauser so. Er ist Abteilungsleiter des Fachbereichs Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und ist unverdächtig, für die „Provisionslobby“ zu sprechen. Er meldete auf Twitter, dass ein Provisionsverbot allein die Probleme der Verbraucher nur verlagern würde –aber nicht lösen. Denn auch die Honorarberatung berge Interessenkonflikte. Damit unterscheidet sich Nauhauser auch von der Position, die Dorothea Mohn vom Bundesverband Verbraucherzentralen (VZBV) bezieht.