IDD-Richtlinie: Heilige Kühe werden wieder nicht geschlachtet

Berater IDD Top News von Peter Härtling

Versteckte Kostentreiber

Als Hauptursachen gibt die Branche gerne einerseits die Kosten der Vertragsgarantien an, die eine Rentabilität der Verträge erheblich vermindern würden. Dazu kämen natürlich die hohen Provisionen für die Makler, die eine vernünftige Wertentwicklung der oft über viele Jahre laufenden Altersvorsorgeverträge verhindern würden. Dabei befinden sich Makler, die mit ihrer Kompetenz und ausführlichen Beratung erheblich zur Versorgung der Bevölkerung im Alter beitragen, mit einer Abschlusscourtage von 2,5 bis 4 Prozent der Vertragssummen am Ende der Nahrungskette.

Hauptverursacher der schlechten Renditen sind die Versicherer selbst: Vom Gesetzgeber toleriert, kassieren sie Gesamtkostenquoten von 20 bis sogar mehr als 50 Prozent der Beitragssummen, die sie in den Vertragsbedingungen als Abschluss- und Verwaltungskosten genial verstecken.

Dies ist ein offenes Geheimnis, das Politik und Verbraucherschützer bei den vergangenen Diskussionen zu IDD gekonnt ignorierten. In modernen Netto-Rentenversicherungstarifen bieten heute schon viele Versicherer Verträge an, die mit deutlich verminderten Gesamtkostenquoten erheblich höhere Auszahlungen im Alter ermöglichen. Interessant ist dabei, dass diese Tarife beispielsweise den jeweils eigenen Ausschließlichkeitsorganisationen der Versicherer vorenthalten werden. Diese müssen weiterhin die kostenträchtigen Verträge an den Mann bringen.

Gesamtkostenquote regulieren!

Wann beginnt die Politik endlich, die Gesamtkostenquoten der Versicherer zu regulieren, die eine wirklich vernünftige und wichtige Zusatzversorgung der Bürger im Alter dramatisch verschlechtern? Verbesserungsfähig sind hier Riester- und Rürup-Verträge genauso wie Fondspolicen und betriebliche Altersversorgung.

Entscheidend aber wird sein, dass der Mut aufgebracht wird, an die horrenden Summen zu gehen, die sich die Versicherer in die Taschen stecken – und die nicht notwendig sind, wie die vielen Netto-Tarife zeigen. Dafür war es eine weise Entscheidung, Provisions- und Honorarberatung nebeneinander stehen zu lassen. Es ist nicht der Makler, der die Kosten der Verträge aufbläht. Es sind die Versicherer selbst. Das eigentliche Ziel muss es sein, hier viel stärker regulierend einzugreifen, Kostenquoten zu reduzieren, auch per Gesetz. Das wäre ein viel lohnenderes Ziel und würde die Rendite der Altersvorsorge der Deutschen immens steigern.

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