Die Versicherung und das gebrochene Herz

Berater Recht & Haftung von Martin Morgenstern

Eine von Liebeskummer geplagte Frau lieh sich das Auto der Mutter, betrank sich und hatte einen Unfall. Hat die Kfz-Haftpflichtversicherung der Mutter nun Regressanspruch gegenüber der Tochter? Mit dieser Frage hatte sich das Amtsgericht Augsburg zu befassen (Az. 15 C 255/16).

Kfz Haftpflicht Unfall Urteil

Mit den Folgen eines Unfalls wegen Liebeskummer hatte sich das Amtsgericht Augsburg zu beschäftigen. Foto: pixabay

Eine junge Frau hatte erfahren, dass ihr Lebensgefährte sie mit einer Freundin betrog. Als sich die 20-Jährige mit dem Auto der Mutter auf den Weg in eine Diskothek im südlichen Landkreis Augsburg machte, musste sie feststellen, dass das neue Paar ebenfalls zugegen war. Daraufhin betrank sich die junge Frau und wollte wieder nach Hause fahren. Auf dem Heimweg fuhr sie stark alkoholisiert gegen einen Baum am Straßenrand. Den beim Unfallort eingetroffenen Rettungssanitätern erklärte die Frau, dass sie sich selbst umbringen wolle.

Den am Auto verursachten Schaden in Höhe von 1.300 Euro erstatte die Kfz-Haftpflichtversicherung der Mutter. Da die Tochter den Unfall vorsätzlich und mit Selbsttötungsabsicht verursacht habe, forderte die Versicherung die erbrachte Leistung von der 20-Jährigen – gemäß der Versicherungsvertragsbedingungen – zurück. Der Fall landete vor dem Amtsgericht Augsburg.

Das Urteil

Die Richter teilten die Auffassung der klagenden Versicherung nicht und verwiesen auf das Versicherungsvertragsgesetz. Dort heißt es, dass ein Familienangehöriger, der beim Versicherungsnehmer wohnt, nur dann für Schäden regresspflichtig sei, wenn er die Schäden vorsätzlich verursacht habe. Diesen Vorsatz konnte der Kläger jedoch nicht beweisen. Die Tochter habe erst nach dem Unfall erklärt, sich selbst umbringen zu wollen. Zudem konnte das Gericht nicht erkennen, dass sich die Tochter vorsätzlich betrank und mit der vorgefassten Absicht, anschließend im Zustand der absoluten Fahruntüchtigkeit Auto zu fahren. Die Richter attestierten der jungen Frau lediglich fahrlässiges Handeln. Die Berufung der Versicherung wurde vom Landgericht Augsburg zurückgewiesen.