Das richtige Maß finden: So wird bei Gewerbeversicherungen der Höchstschaden ermittelt

Gewerbe Versicherungen von JULIANE MOGHIMI

Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum Abschluss ist die Ermittlung des PML (wahrscheinlicher Höchstschaden). Wie das gelingt, zeigt unsere Checkliste.

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Auch bei gewerblichen Versicherungen ist die Festsetzung der passenden Versicherungssumme das A und O. Sie ergibt sich aus dem PML (probable maximum loss – wahrscheinlicher Höchstschaden): Das ist der Schaden, der bei Berücksichtigung aller Risiken und bei vorsichtiger Betrachtung eintreten könnte. Er ist abzugrenzen vom maximum possible loss, der die Schadenshöhe in einem Worst-Case-Szenario beschreibt (also zum Beispiel bei einem Brand, der sich durch ungünstige Winde besonders rasch ausbreitet).

Bei der Festsetzung des PML und damit der Versicherungssumme gilt es, sowohl die Unter- als auch die Überversicherung zu vermeiden: Erstere führt zu Verlusten und Frustration im Schadensfall, Letztere zu höheren Versicherungsprämien. Aber wie diesen schmalen Grat zwischen „hoch genug“ und „nicht zu hoch“ finden? Orientierung bietet diese Checkliste.

Ziel ist die Festsetzung der Versicherungssumme für eine Betriebsunterbrechungsversicherung inklusive Feuerversicherung (FBU):

Schritt 1: Erstellung eines Produktionsfluss-Schemas
Hierbei werden zunächst die einzelnen Produktionskomplexe identifiziert. Anschließend werden jeweils deren Input, Produktion und Output erfasst. Hilfreich ist die Nutzung eines Lageplans, in den die Kosten und Erlöse für jeden Komplex eingetragen werden.

Schritt 2: Ermittlung derjenigen Produktionskomplexe bzw. Produktgruppen, die bei Eintreten des Schadensfalles betroffen wären.
Im Zuge dieser Analyse werden die Deckungsbeiträge für jede Produktgruppe ermittelt, das heißt die Differenz aus Erlös und variablen Kosten. Im Hinblick auf die Betriebsunterbrechung müssen auch eventuell weiterzuzahlende Löhne/Gehälter sowie Fixkosten miteinbezogen werden.

Schritt 3: Ermittlung der Dauer für Wiederaufbau, Wiederbeschaffung oder Wiederherstellung
Die Betrachtung erfolgt sowohl intern als auch extern und bezieht neben Gebäuden und Produktionsanlagen auch Zuliefer- und Beschaffungsprozesse mit ein.

Schritt 4: Ermittlung der potenziellen Schadenminderungskosten
Hierunter fallen zum Beispiel Kosten für den Abtransport von Gütern oder Maschinen, bevor sie einem ausgebrochenen Feuer zum Opfer fallen, oder aber die Kosten, um den Einsturz eines beschädigten Gebäudes zu verhindern.

Schritt 5: Ermittlung der wahrscheinlichen Verluste durch fehlenden Absatz (Kunden- bzw. Deckungsbeitragsverlust)
In diesem Schritt werden die wahrscheinlich ausfallenden Gewinne aus dem Verkauf der Produkte berechnet.


Am Ende dieser Analyse wird sich ein Geldwert ergeben, aus dem sich die ideale Versicherungssumme ableiten lässt. Diesen Prozess für den Kunden so transparent wie möglich zu gestalten, ist eine wichtige Maßnahme der Vertrauensbildung – und damit die Voraussetzung für den Abschlusserfolg.