Sicherheitswahn kostet deutsche Sparer 30 Milliarden

Sachwerte von Florian Burghardt

Die Bundesbürger wissen ihr Vermögen gern in Sicherheit. Doch der Wunsch nach wenig Risiko hat auch Nachteile. Im weltweiten Rendite-Vergleich ist Deutschland abgeschlagen, wie eine Studie zeigt. Eine wichtige Rolle spielen zudem Immobilien.

Deutsche Sparer wissen ihr Vermögen gern in Sicherheit. Doch wie die BCG-Studie zeigt, sinken dadurch die Renditen.

Deutsche Sparer wissen ihr Vermögen gern in Sicherheit. Doch wie die BCG-Studie zeigt, sinken dadurch die Renditen. Bild: geralt/Pixabay.com

Das Vermögen der Deutschen wächst langsamer als noch im Jahr zuvor. Um 3,7 Prozent haben die privaten Rücklagen der Bundesbürger in 2016 zugelegt – 2015 hatte dieser Wert noch 4,2 Prozent betragen. Das halbe Prozent weniger entspricht fast 30 Milliarden Euro.

Damit sind wir im weltweiten Vergleich weit abgeschlagen. Durchschnittlich wuchsen die Vermögen aller Staaten im vergangenen Jahr nämlich um 5,3 Prozent. Das geht aus der gestern in New York vorgestellten Studie „Global Wealth 2017“ des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) hervor.

Insgesamt verfügen die Deutschen über ein privates Vermögen von 6,3 Billionen US-Dollar (rund 5,6 Billionen Euro). Damit liegen wir weltweit auf dem fünften Platz. Über das größte Vermögen verfügen die USA (50,7 Billionen US-Dollar), vor China (18,9 Billionen), Japan (14,5 Billionen) und Großbritannien (8,8 Billionen). Weltweit lagerten in 2016 laut der BCG-Studie insgesamt 166,5 Billionen US-Dollar in Depots und auf Konten.

Lähmende Sicherheit

Dabei berücksichtigt wurden Bargeld, Aktien, Wertpapiere und Fonds – aber keine Immobilien. Das könnte ein Grund für das rückläufige Vermögenswachstum sein. Schließlich sieht der Großteil der Deutschen im „Betongold“ die sinnvollste Geldanlage. Allerdings nicht ausschließlich, um selbst darin zu wohnen. Auch in der Vermietung wittern viele ein sinnvolles Investment.

Der Hauptgrund liegt jedoch scheinbar im Festhalten an sicheren, aber zinsschwachen Geldanlagen wie Sparbüchern und Tagesgeldkonten. Dabei weisen Experten immer wieder darauf hin, dass in Zeiten der Niedrigzinsphase eine etwas mehr renditeorientierte Anlage an Argumenten gewinnt.

BCG-Partner Daniel Kessler erklärt: „Die Deutschen sind nach wie vor starke Sparer. Die Studie zeigt, dass mehr als 40 Prozent ihres Finanzvermögens Spareinlagen und Bargeld sind. Nur eine Minderheit legt ihr Geld etwa in Aktien an. Das sorgt zwar für größere Stabilität, führt aber auch dazu, dass sich Privatvermögen in Deutschland langsamer entwickeln.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare