Mangelnde Risikobereitschaft: Deutsche bereuen nichts

Investmentfonds von Michael Fiedler

Die traditionelle Risikoaversion der Deutschen ist hinderlich für den Aktienmarkt? Nicht ganz, wenn man einer neuen Untersuchung Glauben schenkt. Aktien sind den Deutschen immer noch lieber als Anleihen. Mit welchen Anlagen die Deutschen zufrieden waren.

Risiko_Aktien Anleihen Reue

Nein, ich bereue nichts... sang sie den Song, der das deutsche Anlageverhalten spiegelt: Édith Piaf im Februar 1959 Bild: AP Photo/Matty Zimmerman

„No, je ne regrette rien...“ von Édith Piaf passt wohl am besten, wenn man die Entscheidungen deutscher Anleger aus ihrer Sicht mit Musik kommentieren wollte. Denn die Mehrheit der deutschen Anleger (55 Prozent) bereut eigene Investitionsentscheidungen nicht – auch, wenn diese eher konservativ ausfallen. Laut Global Investor Survey des internationalen Vermögensverwalters Legg Mason sind Investoren nirgendwo zufriedener. Global bereuen lediglich 32 Prozent der Befragten keine ihrer Anlageentscheidungen. Der Rest ärgert sich beispielsweise über ein falsches Markttiming (17 Prozent), verpasste Chancen am Aktienmarkt (16 Prozent) oder eine zu geringe Diversifikation (12 Prozent).

Zufriedenheit macht träge?

Neben der Zufriedenheit gibt es einen weiteren auffälligen Unterschied: Während 37 Prozent der weltweit befragten Anleger bereit sind, 2017 höhere Risiken einzugehen, sind es in Deutschland gerade mal 15 Prozent.
Dass die Deutschen in der Niedrigzinsphase mit ihrem eigenen konservativen Anlagestil weltweit am zufriedensten sind, könnte man für eine Folge fehlender Finanzbildung halten. Klaus Dahmann, Deutschland-Chef von Legg Mason, sieht darin eher Anzeichen für eine bewusst vorsichtige Haltung. Immerhin beschreiben sich 78 Prozent der deutschen Anleger als konservative oder etwas konservative Investoren.

Anlegergunst: Aktien vor Anleihen

Wovon also machen Deutsche dann ihre „bewussten Anlageentscheidungen“ abhängig? Die Finanzkrise ist es jedenfalls nicht. Deren Auswirkungen beeinflussen die Spar- und Investitionsentscheidungen in keiner Weise – sagen 46 Prozent der Befragten deutschen Investoren. Die befragten Anleger in Deutschland assoziieren vor allem zwei Wörter mit ihren Investitionsentscheidungen: Ambition (25 Prozent) und Kontinuität (32 Prozent). „Kurzfristige Marktbewegungen werden zugunsten einer beständigen Strategie nicht mitgenommen und Anpassungen erfolgen eben nur langsam und mit Bedacht“, folgert Legg Mason aus der Studie.

Eine höhere Risikoaversion und das Hauptaugenmerk auf Kontinuität müsste zu einem höheren Anleiheanteil an der Assetallokation führen. Doch befragt nach bevorzugten Anlageklassen in 2017 geben die Anleger eher Aktien (52 Prozent) als Anleihen (38 Prozent) an. Laut Studie könnte das an den enttäuschenden Ergebnissen liegen, die Anleger mit Anleiheinvestments in den letzten Jahren eingefahren haben. Denn lediglich acht Prozent der Befragten Anleger in Deutschland sagten, dass sich ein höherer Anleiheanteil im Portfolio in den letzten zehn Jahren auch tatsächlich ausgezahlt hätte. Weltweit sind es immerhin zwölf Prozent. Wirklich zufrieden waren die Deutschen nur mit ihren Immobilieninvestments (21 Prozent) – wie übrigens auch die weltweiten Anleger.

Zur Studie:
Für die Studie wurden eine quantitative Online-Methodik sowie eine Auswahl an 15.300 Befragten in 17 Ländern herangezogen, die repräsentativ für die jeweilige Bevölkerung sind.