Kfz-Versicherung: Künftig Schlüsselrolle für Makler

Berater von Florian Burghardt

Sowohl der GDV als auch die Fondsgesellschaft Fidelity International haben heute Prognosen zur Entwicklung von Kfz-Schäden veröffentlicht - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Makler könnten indes zum Goldesel für die Kfz-Versicherer werden.

Die Fondsgesellschaft Fidelity International spricht Maklern künftig eine Schlüsselrolle in Sachen profitabler Kfz-Versicherung zu.

Die Fondsgesellschaft Fidelity International spricht Maklern künftig eine Schlüsselrolle in Sachen profitabler Kfz-Versicherung zu. Bild:

Wohin entwickelt sich unsere Mobilität? Eine wichtige Frage – nicht nur für Autofahrer, sondern auch für die Versicherer und ihren Vertrieb. Denn sie müssen mit ihren Deckungskonzepten darauf reagieren. Möglich wäre eine Entwicklung, wie in diesen 5 Szenarien beschrieben.

Einigkeit herrscht bei allen Experten offensichtlich darin, dass die Anzahl der Schäden zurückgehen wird, je weniger der Mensch das Fahrzeug steuert. Wie sich die zunehmende Technisierung der Fahrzeuge jedoch auf die Höhe der Schadenleistungen auswirken wird, das hat eine Projektgruppe des GDV heute in ihrem Abschlussbericht präsentiert.

GDV glaubt an sinkende Schadenzahlungen

So glauben die Kfz-Experten des Gesamtverbands, dass Fahrerassistenzsysteme, wie beispielsweise ein Spurhaltesystem oder ein Notbremsassistent, die Entschädigungsleistungen der Kfz-Versicherer in den nächsten Jahren merklich reduzieren werden.

Ausgehend von den Schadenzahlungen in Höhe von 22 Milliarden Euro in 2015 könnten die Systeme diese bis zum Jahr 2035 um einen Wert zwischen 6,9 und 15,2 Prozent reduzieren – je nachdem, wie schnell sich die Technologie im Fahrzeugbestand der Kfz-Versicherer verbreitet. Darin eingerechnet hat die GDV-Arbeitsgruppe bereits die hochtechnisierten Fahrzeugteile, die im Schadenfall für Mehrkosten gegenüber herkömmlichen Teilen sorgen werden.

Fidelity International ist anderer Meinung

Gerade diesen Faktor sieht die Fondsgesellschaft Fidelity International (FI), die ebenfalls heute eine vergleichbare Untersuchung veröffentlicht hat, völlig anders. Bei FI geht man davon aus, dass die Kosten für Schäden bis 2035 sogar steigen werden.

Zwar rechnet auch FI mit einer sinken Anzahl an Schäden. Die Höhe der Reparaturkosten für die modernen Systeme würde aber sehr stark ins Gewicht fallen. Zudem werden, laut FI, mehr Unfallopfer überleben. Dies habe für die Versicherer aber zur Folge, dass die Kosten für Behandlungen und Rechtsstreitigkeiten, auch gegenüber den Autobauern, steigen werden. Das Thema Herstellerhaftung in der Kfz-Versicherung beurteilen Experten allerdings als sehr komplex.

Anders als der GDV geht FI erst nach 2035 von sinkenden Schadenleistungen aus. Laut den Erkenntnissen der Fondsgesellschaft wird die Zahl der Unfälle dann aufgrund der verbesserten Sicherheitstechnik stark zurückgehen. FI schätzt außerdem, dass die Fahrzeugtechnik dann auch deutlich günstiger zu reparieren sein wird.

Makler entscheiden über Gewinne

Erst dann, im Jahr 2035, prognostiziert FI den Kfz-Versicherern wieder steigende Profite. „Denn sie reagieren auf höhere Aufwendungen mit steigenden Prämien. Weil sich diese an den Kosten in der Vergangenheit orientieren, bleiben sie hoch“, so Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International.

Eine Schlüsselrolle für langanhaltende Gewinne der deutschen Kfz-Versicherer sieht FI bei den Versicherungsmaklern. Denn sie würden, ähnlich wie in der Slowakei, Italien, Türkei und Slowenien, das Versicherungsgeschäft dominieren. „Damit herrscht weniger Wettbewerb als in Ländern wie Großbritannien und den Benelux-Staaten, wo der Kfz-Versicherungsmarkt durch den Direktvertrieb dominiert wird“, heißt es von Seiten der Fondsgesellschaft. 

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