Fondsgebundene Policen: Was Makler (nicht) wissen müssen

Berater Top News von Annika Janßen

Fondsgebundene Policen sind mittlerweile mehr als nur eine Alternative im Niedrigzinsumfeld. Die Versicherungswirtschaft sieht sich für den Vertrieb der neuen Produkte gut aufgestellt. Andere fordern noch weitergehende Qualifizierungen für Berater.

Pro & contra: Diskutieren darüber, ob Makler für den Vertrieb von Fondspolicen eine Zusatzqualifikation brauchen: Rolf Tilmes (FPSB) und Katharina Höhn (BWV).

Pro & contra: Diskutieren darüber, ob Makler für den Vertrieb von Fondspolicen eine Zusatzqualifikation brauchen: Rolf Tilmes (FPSB) und Katharina Höhn (BWV). Fotos: FPSB/BWV

Zahlen lügen nicht: Anfang Januar präsentierte der Versichererverband Insurance Europe eine Analyse zum europäischen Markt für Lebensversicherungen. Daraus geht hervor: Die klassische Lebensversicherung kommt zunehmend aus der Mode, auf dem Vormarsch sind dagegen fondsgebundene Lebensversicherungen. Der Analyse zufolge stieg der Marktanteil fondsgebundener Versicherungen am deutschen Markt für Lebensversicherungen im Jahr 2015 zum dritten Mal in Folge an. Er lag Ende 2015 bei 16,2 Prozent.

Damit folgt Deutschland einem europäischen Trend: Europaweit machen fondsgebundene Produkte bereits 19 Prozent aller Lebensversicherungen aus. Die Nachfrage nach traditionellen Policen geht dagegen zurück. Es gibt gute Gründe für diese Entwicklung. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld lässt die Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer Jahr für Jahr weiter sinken. Fondsgebundene Policen können höhere Renditen erzielen. Denn während klassische Policen meist in Anleihen oder Immobilien investieren, legen sie das Kapital der Versicherten vornehmlich in Investmentfonds an – sind also auch am Aktienmarkt aktiv.

Die Rendite hängt dabei wesentlich davon ab, wann Versicherte aussteigen. Tun sie das bei guter Marktlage, war die Anlage ein Erfolg. Befinden sich die Märkte bei Vertragsende im Sinkflug, drohen Verluste. Garantien gibt es bei fondsgebundenen Policen in der Regel nicht.

Makler in der Aufklärungspflicht

Die Produkte bieten Versicherten also Chancen auf ansehnliche Renditen, dazu kommt eine steuerlich begünstigte Auszahlung. Sie bergen aber auch Fallstricke. Wer die Risiken nicht kennt oder nicht ausreichend über die Eigenschaften seiner fondsgebundenen Lebensversicherungen informiert ist, läuft Gefahr, auf die Nase zu fallen.

Darüber müssen Makler sich im Klaren sein, wenn sie fondsgebundene Versicherungen vermitteln. Letztlich handelt es sich bei den Policen um Zwitter: Die vermeintlich sichere Welt der traditionellen Versicherung trifft auf die Welt der Kapitalmärkte mit allen Chancen und Risiken. Genau deshalb sorgt der Trend auch für Diskussionen darüber, was Versicherungsmakler wissen und erklären müssen, wenn sie fondsgebundene Policen verkaufen: So fordert das Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB) eine Zusatzqualifikation sowie eine Zertifizierung für Berater, die die neuen Produkte an den Kunden bringen.

Wohl auch aus eigenem Interesse, schließlich ist die Aufgabe des FPSB nach eigenen Angaben „die Zertifizierung von Beratern privater Kunden nach international einheitlich definierten Regeln zu Ausbildung, unabhängigen Prüfungen, Erfahrungsnachweisen und Ethik.“ Das FPSB warnt vor einem neuen Haftungsrisiko für Versicherer. Die Versicherungswirtschaft selbst gibt sich entspannt, sieht sich für den Verkauf fondsgebundener Versicherungen bereits gut aufgestellt sehen. Die Diskussion dürfte noch eine Weile anhalten.

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