Ein Versicherer macht der Bafin besonders Sorgen

Versicherungen von Martin Thaler

Die deutsche Finanzaufsicht hat die vorgelegten Solvenzquoten analysiert und kommt zu einem positiven Ergebnis. Doch unter den Lebensversicherern gibt es einige Unternehmen, die der Bafin zumindest beunruhigen.

Einem Versicherer musste die Bafin unterstützen, damit dieser die erforderlichen Bedeckungsquoten vorweisen konnte.

Einem Versicherer musste die Bafin unterstützen, damit dieser die erforderlichen Bedeckungsquoten vorweisen konnte. Foto: ulleo - Pixabay.de

Bis zum 22. Mai hatten die Versicherer Zeit, für den Konzern sowie alle Tochterunternehmen erstmals öffentlich ihre Solvency-II-Kennzahlen vorzulegen. Nun, knapp drei Wochen später, meldet sich auch die deutsche Finanzaufsicht mit einer Auswertung der Kennzahlen zu Wort und hat Positives zu vermelden: „Eine erste Durchsicht der vorgelegten Berichte und Kennzahlen ergab, dass keines der berichtspflichtigen Einzelunternehmen unterdeckt ist“, heißt es von der Bafin. Im Durchschnitt lag die Solvenzquote, über alle Sparten hinweg, bei 330 Prozent – allerdings mit Übergangsmaßnahmen.  

Lässt man diese außen vor, sieht es vor allem bei einigen Lebensversicherern nicht mehr ganz so rosig aus. So mussten im Berichtsjahr von den 84 Lebensversicherungsunternehmen  insgesamt 29 Lebensversicherer einen Maßnahmenplan vorlegen, „da sie ohne Anwendung von Übergangsmaßnahmen zumindest zwischenzeitlich keine ausreichende SCR-Bedeckung [Solvency Capital Requirement; Anm. d. Red.] sicherstellen konnten“. Das heißt: Die Solvenzquote lag unter 100 Prozent.  

Ein Unternehmen macht besonders Sorgen

Mit diesen Unternehmen stehe die Finanzaufsicht auch weiterhin in engem Kontakt, wie es von der Bafin heißt. „Die betroffenen Unternehmen müssen im Rahmen der jährlichen Fortschrittsberichte zur Entwicklung der Maßnahmen Stellung nehmen.“  

Bei einem Unternehmen sieht die Lage indes noch schlechter aus. Trotz Anwendung von Übergangsmaßnahmen konnte das Unternehmen vorübergehend weder eine ausreichende SCR- noch MCR-Bedeckung [Minimum Capital Requirements = Mindestkapitalanforderungen, Anm. der Red.] sicherstellen. Dieses Unternehmen, dessen Namen die Bafin nicht nannte, muss nun sowohl einen Sanierungsplan (nach § 134 VAG) als auch einen Finanzierungsplan (nach § 135 VAG) vorlegen. Das Unternehmen konnte die ausreichende Bedeckung jedoch nach kurzer Zeit wieder sicherstellen, nachdem Maßnahmen ergriffen worden waren.  

Insgesamt lag die Solvenzquote der Lebensversicherer Ende 2016 bei 340 Prozent. In der Schaden- und Unfallversicherung kamen die Unternehmen auf eine durchschnittliche Solvenzquote von 286 Prozent, bei den Krankenversicherern betrug sie 432 Prozent. Detaillierter zum Thema will sich die Finanzaufsicht Anfang Juli zu Wort melden. 

Für die Verbraucher haben die veröffentlichen Solvenzquoten indes nur eine geringe Aussagekraft. Allein die Komplexität der Berechnung mache einen Vergleich unmöglich, betonte Dr. Guido Bader, Vorstand Mathematik und Leben der Stuttgarter Lebensversicherung, gegenüber procontra.