Wie der Kauf von softfair durch Fonds Finanz zu bewerten ist

Berater Top News von Oliver Pradetto

Der Kauf von softfair durch eine neue Firma der Fonds Finanz-Eigentümer Norbert Porazik und Markus Kiener ist ein extrem cleverer Schachzug, findet Oliver Pradetto von blaudirekt. Im Gastbeitrag erklärt er, warum und mit welchen Entwicklungen er rechnet.

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Der Eigentümer-Wechsel bei softfair setzt einige Pools unter Druck. Ohne Druck erklärt Oliver Pradetto, warum. Bild: blaudirekt

Seit geraumer Zeit werden systematisch frei kaufbare IT-Ressourcen des Marktes aufgekauft. In den letzten Monaten ging Vergleichsrechnerhaus Nafi an das britische IT-Haus Acturis, das nebenbei auch noch den MVP-Hersteller Assfinet mit einkaufte. Hypoport - Betreiber von Qualitiypool, Dr.Klein & Co und der Finanzierungsplattform Europace - sicherte sich Innosystems und Maklersoftware.com.
Makler, Vertriebe und Pools, die sich keine umfassende eigene IT aufgebaut haben, geraten damit zunehmend unter Druck. Übrig geblieben war eigentlich nur noch softfair, das bei Pools und kleineren Vertrieben führende Softwarehaus.

Wechsel von Brauch war ein deutliches Signal

Spätestens seit der Abwerbung von Geschäftsführer Matthias Brauch war Insidern klar, dass das Softwarehaus ein Übernahmeobjekt war. Denn IT lebt vom Projektmanagement und der Verlust für softfair nicht zu kompensieren. Trotzdem wogen sich die Kunden der Hamburger IT-Schmiede in naiver Sicherheit, galt doch der Eigentümer Hanst als sperrige Persönlichkeit mit geringer Neigung zum Verkauf. 

Der Schachzug von Fonds Finanz ist dabei extrem clever. Der Pool hat in der Vergangenheit vieles richtig gemacht, drohte aber in seinen Technologien für Vermittler zunehmend hinter Wettbewerber zurückgefallen. Nicht nur sichert sich das Haus jetzt starke IT-Ressourcen für Bereiche, in denen die Münchener bislang zu schwach aufgestellt waren, gleichzeitig nimmt man dem Markt eine Alternative, um seine Unabhängigkeit zu schützen, denn ohne Technik kann auf Dauer kein Makler mehr arbeiten.

Ohne Technik geht es nicht

Immer neue Regulierungen bei gleichzeitigen Kürzungen der Provision zwingen Makler und Vertriebe verstärkt auf Technik zu setzen. Nur wer seine Prozesse effizient beherrscht, kann Kosten im Unternehmen senken, ertragreich bleiben und vor allem Skalierbarkeit seiner unternehmerischen Tätigkeit sicherstellen.
Vor allem aus diesem Grund verzeichnen Pools Umsatzrekord für Umsatzrekord, denn die Makler flüchten in Scharen aus ihren Direktvereinbarungen, die sie technisch wenig unterstützen und bürokratisch sogar noch zunehmend belasten. Interessant ist dabei, dass die Zahl der Makler, die über einen Pool arbeiten, laut BBG-Studie in den letzten 5 Jahren permanent zugenommen hat, gleichzeitig aber die Zahl der Pools mit denen der Makler arbeitet, abnimmt. Das heißt, der Makler konzentriert seine Zusammenarbeit zunehmend auf einen Pool, von dem er sich die größte Entlastung verspricht. Trotzdem kennt der Markt immer noch viele Kollegen, die ihre Unabhängigkeit darin sehen, ihr Geschäft über Direktvereinbarungen abzuwickeln.
Das kann klappen, wenn der Makler oder Vertrieb sich die technischen Ressourcen auf eigene Kosten im Markt zusammenkauft. Mit dem Aufkauf der verschiedenen technischen Dienstleister wird dies aber zunehmend schwerer. Am Ende werden Makler wie kleinere und mittlere Vertriebe allein nicht mehr wettbewerbsfähig bleiben können, weil die technischen Ressourcen schlicht nicht mehr im freiem Handel verfügbar sind. Technisch nicht eigenständig aufgestellte Marktteilnehmer müssen sich dann einem Technik-Pool anschließen. Insofern verstärkt die Fonds Finanz mit ihrem Kauf eine Marktentwicklung, von der sie selbst massgeblich profitiert.

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