Versicherungsinnendienst: Streiks in vollem Gange

Versicherungen von Florian Burghardt

In den Tarifverhandlungen für die Innendienstangestellten ist man von einer Einigung weit entfernt. So weit, dass es gestern und heute zu Streiks kam. Welche Versicherer von Arbeitsausfällen betroffen sind und wie es nun weitergeht.

Wie hier in München legten gestern und heute in mehreren Bundesländern Innendienstangestellte die Arbeit nieder.

Wie hier in München legten gestern und heute in mehreren Bundesländern Innendienstangestellte die Arbeit nieder. Bild: ver.di

Die Gewerkschaft ver.di hat ihre Drohungen wahrgemacht und die Angestellten im Versicherungsinnendienst zum Streik aufgerufen. Allein gestern gingen nach dem Aufruf durch den ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg in Karlsruhe rund 500 und in Stuttgart rund 650 Angestellte auf die Straße. Von den Arbeitsausfällen betroffen waren unter anderem die Allianz und die Württembergische Versicherung.

Gestreikt wurde gestern parallel auch in Hessen. In Frankfurt beteiligten sich nach ver.di-Angaben etwa 400 Menschen, größtenteils Beschäftigte der Allianz.

Heute Mittag ging es dann mit mehreren hundert Streikenden in Wiesbaden weiter. Vom ver.di-Landesbezirk Hessen aufgerufen waren die Angestellten der R+V, der SV Sparkassenversicherung, der Axa und der SV-Informatik GmbH.

Ebenfalls heute kamen rund 200 Innendienstangestellte in München mit Beschäftigten aus dem Einzel- und dem Buchhandel sowie von Verlagen zu einem gemeinsamen Streik- und Aktionstag zusammen. „Der bayerische ver.di-Landesbezirk hatte dazu unter anderem die Angestellten von Allianz, Axa, Generali, Ergo und Versicherungskammer Bayern aufgerufen“, erklärte ver.di-Gewerkschaftssekretär Gregor Völkl auf procontra-Nachfrage.

„Nicht einmal mehr verbale Wertschätzung“

Grund für die Streiks ist das, aus Sicht der Gewerkschaft, viel zu niedrige Angebot des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV). Die zweite Verhandlungsrunde über einen neuen Tarifvertrag für die rund 170.000 Angestellten im Versicherungsinnendienst war vor rund drei Wochen gescheitert – ver.di hatte daraufhin mit Streiks gedroht.

Die Gewerkschaft fordert neben 4,5 Prozent mehr Gehalt auch den Abschluss eines Zukunftstarifvertrags, dessen Inhalte die Angestellten besser vor digitalisierungs-bedingtem Stellenabbau schützen sollen. Beiden Forderungen erteilte der AGV eine Abfuhr, was die Gewerkschaft zu den aktuellen Arbeitskampfmaßnahmen bewog.

Neben dem geringen Angebot der Arbeitgeber ist ver.di auch mit deren Verhandlungston nicht zufrieden. Der ver.di-Landesfachbereichsleiter BaWü, Frank Hawel, sagte auf der Kundgebung in Stuttgart: „Es ist doch zynisch, von den Beschäftigten Reallohnverzicht zu verlangen, um dann damit die Zukunftsinvestitionen zu finanzieren, die weiteren Arbeitsplatzabbau zur Folge haben sollen. Früher gab es wenigstens noch warme Worte, jetzt nicht einmal mehr verbale Wertschätzung.“

Arbeitgeberverband gibt Kontra

Völlig anders sieht man das beim Arbeitgeberverband. Auf procontra-Nachfrage sagte dessen stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Dr. Sebastian Hopfner: "Unter Berücksichtigung der Tariferhöhung Oktober 2016 ist die Behauptung von ver.di, das gegenwärtige AGV-Angebot führe zu einem Reallohnverlust, schlicht falsch. Das aktuelle AGV-Angebot würde dazu führen, dass zwischen den Gehältern September 2016 und Januar 2018 Entgeltsteigerungen liegen, die deutlich höher liegen als der in derselben Zeit eintretende Inflationsverlust."

Hopfner erklärte weiter, dass laut Rückmeldung der AGV-Mitgliedsgesellschaften die aktuelle Streikbeteiligung von ver.di überzeichnet wäre und es zu keinen nennenswerten Betriebsablaufstörungen gekommen sei. "Die gegenwärtigen Aktionen der Gewerkschaften werden den AGV in seiner Verhandlungslinie nicht beeinflussen", so Hopfner.

Die dritte Tarif-Verhandlungsrunde findet am 2. Juni in Hamburg statt. Weitere Arbeitsniederlegungen in der Branche sind nicht ausgeschlossen. 

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