Ideal bietet Versicherungskäse

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Der Negativpreis des Bundes der Versicherten geht in diesem Jahr an den "KrebsAirbag" der Ideal. Diese reagierte bereits im Vorfeld mit Kritik an der Auszeichnung.

Der Bund der Versicherten hat den "KrebsAirbag" der Ideal mit dem Negativpreis "Versicherungskäse" prämiert.

Der Bund der Versicherten hat den "KrebsAirbag" der Ideal mit dem Negativpreis "Versicherungskäse" prämiert. Screenshot: Ideal

Der Negativpreis "Versicherungskäse des Jahres" geht in diesem Jahr an die Ideal Lebensversicherung für ihr Produkt "KrebsAirbag". Das teilte der Bund der Versicherten an diesem Freitag auf seiner Wissenschaftstagung in Berlin mit. 

 

Der "KrebsAirbag" ist eine Ausschnittversicherung, die Betroffenen im Falle einer Krebserkrankung eine bestimmte Summe auszahlt. Hiervon sollen die Versicherten dann Therapien bezahlen können, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden oder einfach ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

In einem Interview mit der Berliner Inforadio rbb hatte Jurymitglied und BdV-Versicherungsexperte Lars Gatschke einige Kritikpunkte im Bezug auf den "KrebsAirbag" bereits erläutert. So würden solche Ausschnittversicherungen dem Konzept der Verbraucherschützer widersprechen, Risiken umfassend abzudecken. Auch würden Produkte wie diese bewusst mit den Ängsten der Verbraucher spielen. "Sie bedient in ihren Werbeaussagen dabei gezielt Ängste. Es wird so getan, als ob es im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung Lücken in der Therapie gegen den Krebs gibt, die durch den KrebsAirbag geschlossen werden", heißt es in der Erklärung der Jury. 

Bemängelt wurde zudem, dass nach Ablauf der Höchstvertragsdauer ein neuer Vertrag mit höherem Eintrittsalter und Beiträgen abgeschlossen werden müsse. "Völlig unklar ist, warum nicht Laufzeiten bis zum Renteneintrittsalter vereinbart werden können."

Bereits vor der Verleihung war klar gewesen, dass zwei Drittel der Ausgezeichneten nicht anwesend sein würden, um den Preis entgegen zu nehmen. Die Ideal hatte sich bereits zuvor empört gezeigt, dass ihr „KrebsAirbag“ zu den Nominierten gehörte. Der Berliner Versicherer begründete dies in einem Brief, den er auch auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, unter anderem damit, dass mit der „Käse“-Metaphorik eine Verlächerlichung drohe, „die die Betroffenen ihrem Schicksal gegenüber als respektlos und unangebracht empfinden können und aus unserer Sicht auch dürfen“. Das Thema sei zu ernst für „halbironische Dinge“.

  BdV-Chef Axel Kleinlein hatte die Absage gegenüber procontra bedauert: „Schade, dass die Ideal als einer der wenigen Berliner Versicherer, den Weg zur Wissenschaftstagung nicht antritt. Es ist immer besser, miteinander, statt übereinander zu reden.“  

Auch die Allianz hatte mitgeteilt, nicht an der Preisverleihung teilnehmen zu wollen. Die Münchener hatten das Produkt „Saturn PlusSchutz 2 Jahre“ entwickelt, das die Elektronikmarkt-Kette als Versicherung für Smartphones, Tablets, Wearables und Smart Watches“ vertreibt. Versicherungsexperte Gatschke hatte dessen Nominierung damit begründet, dass die hierfür anfallenden Kosten in keinem Verhältnis zu dem Grad der Absicherung stehen würden.  

Der Negativpreis war zum dritten Mal verliehen worden. Im ersten Jahr hatte ihn die Allianz für ihre Kurzzeitversicherung „Rund um den Arenabesuch“ erhalten. Damals war der Preis von ihr persönlich abgeholt worden, was auch BdV-Chef Kleinlein Respekt abnötigte.  Im vergangenen Jahr war es dann die Axa, die für ihre „RelaxRente“ „ausgezeichnet“ worden war. 

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