IDD-Umsetzung: „Viel Aufwand, höhere Kosten, kein Nutzen für Kunden“

IDD Berater von Michael Fiedler

Mit der IDD-Umsetzung zwingt der Gesetzgeber die Versicherungswirtschaft „Papier zurück in die digitale Welt zu holen“, so DA Direkt-Vorstand Wulff. Im GDV-Interview bezieht der Vorstand des Direktversicherers auch Position für Ausnahmeregelungen im Fernabsatz.

IDD-Umsetzung Fernabsatz DA Direkt Versicherung

Wehrt sich dagegen, dass Beratung und Dokumentation auch im Online-Vertrieb Pflicht werden sollen: DA Direkt-Vorstand Norbert Wulff. Bild: Zurich/ DA Direkt

Letzte Gelegenheit: Am Mittwoch, den 31. Mai 2017, tagt der Ausschuss, es folgen erste und zweite Lesung (02.06.2017) und dann ist die Umsetzung der IDD in deutsches Recht beschlossen.
Während die Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) eine knapp 40-seitige Stellungnahme veröffentlichte und an die Mitglieder Bundestages schickte, platzierte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein Interview mit DA Direkt-Vorstand Norbert Wulff auf der eigenen Webseite.

DA-Direkt: „Politik bremst Digitalisierung aus“

Auf die Frage, was der geplante Wegfall der Ausnahmeregelung im Fernabsatz für sein Unternehmen bedeute, führt Wulff aus, dass die Umsetzung vor allem gesteigerten Aufwand und höhere Kosten für die Versicherer bedeutet. Ohne dabei Nutzen für den Kunden zu bringen, so Wulff. „Die IDD sieht vor, dass Kunden alle Informationen – auch die Beratungsdokumentation – auf Papier zur Verfügung gestellt bekommen. Der Kunde kann zwar auf Beratung verzichten und auch den Papierversand abwählen. Wir Versicherer müssen aber trotzdem die Prozesse implementieren, um Kunden auf Wunsch die Papierversion zusenden zu können. Das ist mit erheblichen Kosten verbunden – die letztlich der Kunde trägt. Ich hoffe sehr, dass der deutsche Gesetzgeber uns nicht über eine generelle Beratungspflicht dazu zwingt, das Papier zurück in die digitale Welt zu holen. Irgendwie ist es schon merkwürdig, dass die Politik in Deutschland einerseits die Digitalisierung weit oben auf die Agenda setzt, andererseits ohne Not die Digitalisierung der Versicherungswirtschaft ausbremst.“

Streitpunkt Fernabsatz

Ähnlich hatte sich auch der scheidende GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland auf der BVK-Jahrestagung geäußert. „Wo der Kunde online abschließen und keine persönliche Beratung will, darf der Gesetzgeber eine Beratung nicht aufoktroyieren“, zitiert ihn das Versicherungsjournal. Tatsächlich handelt es sich beim Wegfall der Ausnahmeregel im Fernabsatz um einen seit längerem schwelenden Konflikt zwischen BVK und dem GDV.
Bereits der Bundesrat war mit seinem Ansinnen gescheitert, die Ausnahmeregelung für die Beratungs- und Dokumentationspflichten von Versicherern im Falle der Vermittlung des Vertrages via Fernabsatz beizubehalten. Die Bundesregierung begründete ihre ablehnende Haltung damit, dass die Ausnahme aufgrund der seinerzeit unzureichenden technischen Möglichkeiten zur Kommunikation erlassen worden sei. Diese „Einschränkung des Verbraucherschutzes“ müsse nicht weiter aufrecht gehalten werden.

So sieht es auch der BVK, der die Kampagne „Kein Vertrieb ohne Beratung“ durchführt. „Vorne herum bekommen wir viel Zuspruch für unseren Einsatz für gleichen Verbraucherschutz, persönlich wie im Internet. Aber wahrscheinlich sehen viele Versicherer ihre Felle davonschwimmen, wenn für den Online-Vertrieb höhere Anforderungen gelten und dieser ihnen dadurch weniger Geschäft bringt“, so BVK-Präsident Heinz gegenüber procontra.

Beratung? Situativ!

Norbert Wulff sieht den „Beratungszwang“ differenzierter als der BVK. „Gute Beratung hat ohne Zweifel Zukunft. Menschen agieren [...] situativ. Mal kaufen sie ein Buch im Netz und mal stöbern sie in einer Buchhandlung. Einen Flug buchen sie online, für den Familienurlaub gehen sie ins Reisebüro. Unsere Kunden legen ihre Altersvorsorge häufig in die Hände von Vermittlern. Auch das tun sie ganz bewusst.“
Wenn jede fünfte KfZ-Police im Direktvertrieb abgeschlossen wird, dann heißt das auch, die anderen vier werden von Vertretern oder Maklern vermittelt, so Wulff weiter. Diese Kunden entscheiden sich für Beratung und Betreuung durch einen Vermittler.

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