GKV-Versicherte müssen Milliarden zuzahlen

Berater von Martin Thaler

Knapp vier Milliarden Euro mussten GKV-Versicherte für Leistungen 2016 aus eigener Tasche zuzahlen. Viele greifen auch deshalb zu einer privaten Zusatzversicherung.

GKV-Versicherte müssen oftmals zuzahlen.

GKV-Versicherte müssen oftmals zuzahlen. Foto: jarmoluk - Pixabay.de

Gesetzlich Krankenversicherte mussten im Jahr 2016 knapp vier Milliarden Euro aus eigener Tasche zuzahlen – für Leistungen, die ihre Krankenversicherung nicht übernahm. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ hervor. In den besagten vier Milliarden Euro (ganz genau: 3,956 Milliarden) sind auch Erstattungen und Vorauszahlungen enthalten.  

Auf alle Versicherten gerechnet ergibt sich ein Zuzahlungsbetrag von 55 Euro pro Person im Jahr. Der Großteil der Zuzahlungen fiel im Bereich der Arznei-, Verbands- und Heilmittel an (2,2 Milliarden Euro), gefolgt von Heil- und Hilfsmitteln (790 Millionen Euro) und Krankenhausbehandlungen (705 Millionen Euro).

Eigenbeteiligungen müssen von Gesetzlich Versicherten in der Regel dann gezahlt werden, wenn Leistungen gewählt werden, die über das notwendige Maß hinausgehen. So müssen Erwachsene die Kosten für Brillen und andere Sehhilfen in der Regel aus eigener Tasche bezahlen. Bei der künstlichen Befruchtung übernehmen die Kassen lediglich 50 Prozent der im Behandlungsplan genehmigten Kosten. Das gleiche gilt für Zahnersatz, von die Kassen seit 2005 nur noch Festzuschüsse zahlen. Das heißt konkret: die Hälfte der Kosten, die als ausreichende, notwendige und wirtschaftliche Basistherapie definiert sind.  

Grade wenn es um gesunde Zähne geht, mussten Versicherte zuletzt immer tiefer in die eigene Tasche greifen. So mussten laut Daten der Barmer Gesetzlich Versicherte im Schnitt 854 Euro selbst für ihren Zahnersatz zahlen – Tendenz steigend. Experten schätzen, dass die tatsächlichen Zuzahlungen noch weit darüber liegen.  

So ist es auch kaum verwunderlich, dass die Zahl der abgeschlossenen Zahnzusatzversicherungen in den vergangenen Jahren merklich zugenommen hat – allein 2016 wurden 400.000 neue Verträge abgeschlossen.  

Auch andere KV-Zusatzkrankenversicherungen stehen bei den Versicherten hoch im Kurs und erlebten in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage. 

Die Bundesregierung sieht die Zuzahlungen indes nicht als Problem. Vielmehr seien sie auch im Interesse der Beitragszahler, da durch sie die finanzielle Stabilität, Funktionstüchtigkeit und Nachhaltigkeit der GKV gesichert werde.