Demenz: Wer haftet für das Vergessen?

Berater Top News von Eike Schulz

Nur viele neuere Tarife bieten auch bei Demenz im fortgeschrittenen Stadium einen verlässlichen Versicherungsschutz. Wer einen älteren Vertrag hat, riskiert eine Versicherungslücke. Denn wenn ein Schaden entsteht, bedeutet dies nun nicht, dass der Betroffene finanziell ungeschoren davonkommt. Der Gesetzgeber hat bewusst eine Hintertür offen gelassen, die Billigkeitsersatzpflicht nach Paragraf 829 BGB. In diesem Fall muss ein Deliktunfähiger den Schaden nach seinen Möglichkeiten begleichen.

Die Voraussetzung hierfür ist eine finanzielle Besserstellung des Schädigers gegenüber dem Geschädigten. Rücklagen im Alter können damit also durchaus angegriffen werden, wenn ein wirtschaftliches Gefälle besteht. „Die Privathaftpflichtversicherungen kommen hier einer Verantwortung gegenüber ihren Versicherten nach“, erläutert Liane Hauburg, Pressereferentin des HDI, „gesetzlich besteht nur eine Verpflichtung gegenüber deliktfähigen Personen.“

Auch ein weiterer Fall kann erhebliche finanzielle Folgen haben: die Aufsichtspflichtverletzung bei einem Dementen. Hierbei gilt, dass die Aufsichtspersonen die Wohnräume so herrichten müssen, dass keine Gefahr für Dritte oder für die Beschädigung fremder Sachen besteht. Andernfalls droht eine Regresspflicht. Dieser Fall ist besonders schwierig zu handhaben.

Bei leichterer Demenz muss der Versicherer nicht unbedingt über die Erkrankung informiert werden, in schweren Fällen sieht dies jedoch anders aus. Dann besteht schon zur eigenen Absicherung die Pflicht, den Versicherer zu informieren, denn sonst könnte er auch die Entschädigung verweigern.  

 »Personenbezogene Deliktunfähigkeit« 

Die Lösung des Problems ist vielen Versicherern bewusst und wird schon in Angriff genommen. „Die Deckung ist bereits im Grundschutz einer jeden privaten Haftpflichtversicherung, die Ergo seit 2010 verkauft hat, enthalten“, unterstreicht Dr. Monika Stobrawe, Pressesprecherin der Ergo Group, das Verantwortungsbewusstsein des Versicherers.

Das Zauberwort heißt in diesem Zusammenhang „personenbezogene Deliktunfähigkeit“. Dies umfasst sowohl deliktunfähige Erwachsene wie deliktunfähige Kinder. Meist handelt es sich um Tarife, die auf beide Personengruppen Bezug nehmen. Rund 60 Tarife mit diesem Einschluss sind zurzeit auf dem Markt vorhanden. „Allerdings sind die Unterschiede groß“, erläutert Christian Monke, Bereichsleiter Analyse bei Franke und Bornberg. „Bei den Produkten gibt es Unterschiede bezüglich des Leistungsumfangs und der -höhe.

Es gibt eine große Spanne der Leistungshöchstgrenzen von 1.000 Euro aufwärts bis zur vereinbarten Deckungssumme.“ Und das ist noch nicht alles: Auch Selbstbehalte oder Ausschlüsse sind möglich. Die Leistung an sich kann beitragsfrei in den Tarifen eingeschlossen sein oder gegen Mehrbeitrag. Das bedeutet zwar, dass es zwar schon recht viele Tarife gibt, aber eine Übersichtlichkeit ist nicht gegeben.

So existieren beispielsweise noch keine Tarifvergleiche, die den Demenz-Aspekt aussagekräftig berücksichtigen. Einen guten Versicherungsschutz zu finden, gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. So gibt es den Zusatzbaustein „Demenz“ meist in Komfort- oder Familientarifen. Für einen Alleinstehenden gibt es diese Absicherung häufig nicht. 

Fazit

Verantwortungsbewusste Versicherungsmakler sollten die Zielgruppe 60plus prüfen, da diese meist über ältere Privathaftpflichtversicherungen ohne Schutz bei Demenz verfügt. Der Schutz sollte dem eines Deliktfähigen entsprechen. Tarife mit einer 1.000-Euro-Deckung reichen häufig nur für Gefälligkeitsentschädigungen, jedoch nicht für einen Personenschaden aus. Hinzu kommt, dass im Schadensfall dann auch eine Billigkeitsersatzpflicht entstehen kann, die Altersreserven angreift. 

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