Niedrigzinsphase: Ein Ende in Sicht?

Versicherungen von Florian Burghardt

Die USA erhöhen ihren Leitzins und sorgen damit auch für steigende Renditen bei den hiesigen Versicherern. Das zeigt ein Bericht der Deutschen Bank. Die EZB muss nun nachziehen, fordert der GDV. Zeitgleich warnt er vor den Risiken abrupter Zinsanstiege.

Steigende US-Zinsen sorgen auch für höhere Renditen bei den deutschen Anlegern.

Steigende US-Zinsen sorgen auch für höhere Renditen bei den deutschen Anlegern. Bild: geralt/Pixabay.com

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss ihre ultralockere Geldpolitik beenden. Diesen Appell bekräftigte Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vergangene Woche bei der Präsentation einer neuen Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung der Versicherungsbranche in Deutschland.

Zuvor hatte Erdland auf der Internetseite des GDV erklärt, es würden sich inzwischen die Anzeichen mehren, dass die Konjunktur in den westlichen Industrieländern Fahrt aufgenommen hat. „Dies gilt vor allem für die USA, aber auch für den Euro-Raum. Nach wie vor ist es im Übrigen so, dass höhere US-Zinsen sich auch in höheren Renditen bei den Bundesanleihen niederschlagen“, so der GDV-Präsident.

US-Leitzins pusht deutsche Kapitalmarkterträge

Dieser Ansicht ist auch die Research-Einheit der Deutschen Bank AG. Sie weist in ihrem aktuellen Deutschland-Monitor Baufinanzierung für das zweite Quartal 2017 auf den positiven Effekt der US-Geldpolitik auf die weltweiten Kapitalmarktzinsen hin. So läge die Verzinsung der 10-jährigen Bundesanleihen aktuell bei 0,3 Prozent und damit deutlich über den Tiefstständen von Mitte 2016 (minus 0,189 Prozent).

„Die Erwartung einer höheren US-Wirtschaftsdynamik nach der Präsidentschaftswahl ließ die Kapitalmarktzinsen kräftig steigen. Da zudem die EZB mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik in den kommenden Monaten beginnen dürfte, könnten die Kapitalmarktzinsen weiter steigen“, heißt es im Bericht. So könnte der europäische Kapitalmarkt den Schwung der Trump-Welle mitnehmen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihren Leitzins Mitte März um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Damit bewegt sich der Zinssatz, zu dem sich US-Banken gegenseitig Geld leihen können nun in einem Korridor zwischen 0,75 und 1,00 Prozent. Dabei handelte es sich um die zweite Zinserhöhung innerhalb von drei Monaten. Die Fed deutete außerdem an, dass im laufenden Jahr bei anhaltend positiver Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage bis zu drei weitere Zinsschritte möglich seien.

Steigende Kapitalmarktzinsen würden explizit auch die Versicherungsbranche freuen. Um die hohen Garantien der alten Lebensversicherungsverträge zu bedienen, müssen nach bisherigen Bedingungen in den nächsten 5 Jahren etwa 100 Milliarden Euro in die Zinszusatzreserve zurückgelegt werden.

Abrupter Zinsanstieg birgt auch Gefahren

Doch der GDV mahnt ob zu viel Euphorie auch zur Vorsicht. Sowohl Fed als auch EZB müssen aufpassen, dass sie in der Einschätzung der Märkte nicht zu langsam agieren, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands zu den Gefahren eines abrupten Zinsanstiegs (PDF-Datei). Dies könnte vor allem dann passieren, wenn die US-Volkswirtschaft im Fahrwasser großer fiskalischer Impulse überhitzt.

Erdland erklärt: „In diesem Fall würden die Inflationserwartungen deutlich steigen. Dann würde ein abrupter Zinsanstieg drohen, der zu erheblichen Verwerfungen in der Realwirtschaft und auf den Finanzmärkten führen könnte. Dies gilt es aus Stabilitätsgründen zu vermeiden.“

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