Lebensversicherer im Würgegriff der ZZR

Versicherungen von Martin Thaler

Sie war angetreten, um den Kunden zusätzliche Sicherheit bei ihren Lebensversicherungen zu bieten. Mittlerweile wird die Zinszusatzreserve immer mehr zum Problem. Rufe nach Reformen werden lauter.

Der neu gewählte DAV-Vorstand (v.l.n.r.):Dr. Wilhelm Schneemeier, Roland Weber und Dr. Guido Bader.

Der neu gewählte DAV-Vorstand (v.l.n.r.):Dr. Wilhelm Schneemeier, Roland Weber und Dr. Guido Bader. Foto: DAV

Einst (2010) war sie eingeführt worden, um aufgrund der niedrigen Zinsen und der hohen Garantien aus den Altverträgen als zusätzliche Sicherheit für die Kunden zu dienen: die Zinszusatzreserve (ZZR). Doch angesichts der andauernden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wird die ZZR für immer mehr Lebensversicherer zum Problem, da immer höhere Beträge von ihnen zurückgestellt werden müssen.

Waren es 2011 noch 1,5 Milliarden Euro, betrug die ZZR 2016 bereits 44,1 Milliarden Euro. Tendenz: steigend. Die Ratingagentur Fitch sagt voraus, dass die ZZR bis 2022 auf 150 Milliarden Euro steigen könnte.  Ähnliche Zahlen präsentiert auch das Kölner Analysehaus Assekurata. 

Nun werden die Rufe immer lauter, die ZZR zu reformieren. Auch auf der gestrigen Jahresversammlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) war die ZZR wieder einmal Thema. Roland Weber, neu gewählter Vorstandsvorsitzender der DAV, betonte in seiner Rede, dass die ZZR in der Vergangenheit für zusätzliche Stabilität gesorgt hätte.

„Die ZZR hat sich in den vergangenen Jahren als sinnvoller Puffer erwiesen, um langfristig die Lücke zwischen den zugesagten Garantien und dem Referenzzins zu schließen“, so Weber. Allerdings gerieten die positiven ZZR-Effekte durch die EZB-Politik zunehmend unter Druck, da die Versicherer immer höhere Summen zurücklegen müssten. „Das ist vielfach nur durch die massive Realisierung stiller Kapitalanlage-Reserven möglich, deren Wiederanlage nur zu deutlich schlechteren Konditionen möglich ist. All dies führt zu einer unnötigen Schwächung der Lebensversicherer, die nicht im Interesse der Politik und schon gar nicht der Kunden sein kann“, so Weber.  

 

Thema erreicht Politik

Der DAV sprach sich in diesem Zusammenhang erneut für eine Reform der ZZR-Berechnungsmethode aus – und zwar eine, bei der der Referenzzins langsamer sinkt. Hierdurch würde der Aufbau der ZZR deutlich gestreckt.  

Auch in der Politik hatten sich zuletzt die Stimmen gemehrt, die Änderungen bei der ZZR forderten. In einer Pressemitteilung einer Parlamentarierin hieß es sogar, dass unter den vier Bundestagsfraktionen Einigkeit über einen Reformbedarf bestehe. procontra-Nachfragen bei den einzelnen Fraktionen konnten dies zwar nicht bestätigten, klar ist aber: Das Thema ist im Bundestag angekommen.  

Bei der DAV glaubt man allerdings nicht mehr daran, dass das Thema noch in der aktuellen Legislaturperiode angefasst wird. Stattdessen sprach man sich dafür aus, es im Rahmen der im nächsten Jahr anstehenden Evaluation des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) in Angriff zu nehmen. 

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