Die Stärken und Schwächen von Grundfähigkeitspolicen

Berater Top News von Florian Burghardt

Sie gilt als günstige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch für wen eignen sich Grundfähigkeits-Absicherungen? Welche Lücken schließt sie, welche bleiben indes offen? Hierüber sprach procontra mit Alexander Schrehardt, Geschäftsführer der Versicherungsberatung Consilium.

Sprach mit procontra zum Thema Grundfähigkeitsabsicherung: Alexander Schrehardt, Geschäftsführer von Consilium.

Sprach mit procontra zum Thema Grundfähigkeitsabsicherung: Alexander Schrehardt, Geschäftsführer von Consilium. Foto: Schrehardt

procontra: Für welche Zielgruppen ist die Absicherung von Grundfähigkeiten gedacht? 

Alexander Schrehardt: Eine vorrangige Zielgruppe ist sicherlich bei den handwerklichen Berufen zu sehen. Für sie ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung oftmals ein sehr teures Vorsorgeinstrument, das unter Umständen auch mit anderen Einschränkungen belegt ist. So können viele Handwerksberufe, z.B. Fliesenleger, ihr Berufsunfähigkeitsrisiko nur bis zum 60. oder bis zum 62. Lebensjahr im Rahmen privater Vorsorgeverträge versichern. Zudem steht eine ungünstige und teure Berufsgruppeneinstufung dem Abschluss einer BU-Versicherung oftmals entgegen. Die GF-Versicherung bietet dann eine sinnvolle Alternative, die vor allem die für handwerkliche Berufe vorrangig relevanten Risiken einer Verletzung oder Erkrankung des Bewegungsapparates ab sichert. 

procontra: Wo liegen die Abgrenzungen zur Berufsunfähigkeitsversicherung?  

Schrehardt: Die  GF-Versicherung ist ein alternatives Vorsorgeinstrument zur Absicherung der Arbeitskraft und kann nicht direkt mit einer BU-Versicherung verglichen werden. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der GF- und der BU-Versicherung sind die unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen im Versicherungsfall. Während ein Leistungsanspruch der versicherten Person beziehungsweise des Versicherungsnehmers bei der GF-Versicherung auf das primäre Ereignis, dem Verlust einer oder mehrerer Grundfähigkeiten, abstellt, führen im Fall der BU-Versicherung die Folgen des primären Ereignisses, das heißt der (anteilige) Verlust der beruflichen Leistungsfähigkeit zu einem begründeten Versicherungsfall. 

procontra: Welche Lücken schließt die GF-Versicherung? Wo liegen ihre Stärken? 

Schrehardt: Ein wesentlicher Leistungsvorteil der GF-Versicherung ist  die fehlende Verweisungsmöglichkeit des Versicherers. Bei der BU-Versicherung kann die versicherte Person bei Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit, die bezüglich Einkommen und sozialem Status ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit entspricht, auf die neue Tätigkeit verwiesen werden. Diese Möglichkeit gibt es bei der GF-Versicherung nicht. Auch in einem leistungspflichtigen Versicherungsfall hat der Versicherungsnehmer die Möglichkeit einer uneingeschränkten beruflichen Tätigkeit; auch eine Deckelung des möglichen Einkommens nach Eintritt eines leistungspflichtigen Versicherungsfalls ist nicht gegeben. Würde beispielsweise eine versicherte Person, infolge eines Unfall s, eine  Querschnittslähmung erleiden und damit ein Verlust der Grundfähigkeit Gehen  und/oder Treppensteigen einhergehen, so könnte ohne weiteres im Rahmen einer sitzenden Berufstätigkeit  ein Einkommen in gleicher Höhe wie aus der bisherigen Berufstätigkeit erzielt  werden ohne dass der  Anspruch auf laufende Versicherungsleistungen aus der GF-Versicherung erlischt. 

procontra: Und wo hat sie Schwächen? 

Schrehardt: Ein Nachteil der GF-Versicherung ist sicherlich in einer mangelhaften Absicherung psychischer Erkrankungsrisiken zu sehen. Während die BU-Versicherung gleichermaßen körperliche, wie sensorische und psychische Erkrankungen absichert, findet sich in den Versicherungsbedingungen von GF-Versicherungen eine vergleichsweise schlanke Risikoabsicherung. Die Erweiterung einer Grundabsicherung eines Verlustes von intellektuellen Fähigkeiten um die  Absicherung von depressiven und schizophrenen Krankheitsbildern kann in diesen Zusammenhang  als Mehrwert gesehen werden. In der Beratung sollten Vermittler immer auf eine im Vergleich zur BU-Versicherung eingeschränkte Absicherung psychischer Erkrankungen hinweisen. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass auch in der Dread-Disease-Versicherung psychische Erkrankungen nicht oder nur eingeschränkt abgesichert werden können. Bei der Auswahl des geeigneten Vorsorgeinstruments muss der Kunde nach einer Selbsteinschätzung seines Risikoprofils deshalb im Detail befragt werden. 

Was überhaupt zu den versicherten Grundfähigkeiten gehört und wie unterschiedlich die einzelnen Anbieter diese Begriffe definieren, lesen Sie in der kommenden Printausgabe der procontra. 

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare