Die Hausratversicherung und die teure Uhr

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Wann zahlt die Versicherung den Diebstahl einer hochwertigen Armbanduhr. Und darf man eine solche überhaupt in der Öffentlichkeit tragen - oder ist das bereits grob fahrlässig. Darüber verhandelte nun das OLG Karlsruhe.

Nicht auf die Geldbörse, sondern auf eine hochwertige Uhr hatte es ein Dieb im vorliegenden Fall abgesehen.

Nicht auf die Geldbörse, sondern auf eine hochwertige Uhr hatte es ein Dieb im vorliegenden Fall abgesehen. Foto: Picture-Factory - fotolia.com

Muss die Hausratversicherung auch für den Raub einer hochwertigen Uhr außerhalb der eigenen Wohnung aufkommen? Und wann handelt es sich um Raub, wann um einen Trickdiebstahl? Mit diesen Fragen musste sich nun das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az: 12 U 85/16) auseinandersetzen.    

Der Fall  

Ein Mann war Opfer eines Trickdiebstahls geworden. Im letzten Moment hatte er jedoch bemerkt, dass der Trickdieb seine hochwertige Uhr entwenden wollte und seine Uhr noch zu fassen bekommen. Der Dieb konnte die Uhr ihm aber dennoch entreißen.  

Der Mann verlangte nach diesem Vorfall den Neuwert der Uhr in Höhe von 5.100 Euro von seiner Versicherung. Diese aber weigerte sich. Zwar sei die Entwendung der Uhr durch Raub abgesichert, so die Argumentation der Versicherung, nicht aber durch Trickdiebstahl. Zudem argumentierte die Versicherung, dass das Tragen einer kostspieligen Uhr einen Sorgfaltsverstoß des Mannes darstelle, dieser also grob fahrlässig gehandelt habe. Daraufhin klagte der Mann.  

Das Urteil  

Nachdem die Erstinstanz noch zugunsten der Versicherung entschieden hatte, vertrat das OLG Karlsruhe eine andere Auffassung. „Ein versicherter Raub liegt bei einem geplanten Trickdiebstahl vor, wenn der Versicherte die Wegnahme bereits im Moment der Tat bemerkt, den Gegenstand noch zu fassen bekommt, ihm aber aus diesem Griff entrissen wird“, heißt es im Urteil.  

Bei der Frage ob es ein Raub oder ein Trickdiebstahl war, gelten in der Hausratversicherung Beweiserleichterungen für den Kunden, so das Gericht. So reiche es grundsätzlich, wenn der Versicherungsnehmer lediglich nachweise, dass eine hinreichende Wahrscheinlichkeit für eine versicherte Entwendungsart bestehe.  

Auch konnte das Gericht keine grobe Fahrlässigkeit beim Mann erkennen. Eine Armbanduhr zu tragen, entspreche ihrem normalen Verwendungszweck. „Daran ergibt sich grundsätzlich auch dann kein Sorgfaltsverstoß, wenn es sich um eine wertvolle Uhr handelt und sie – innerhalb  Deutschlands – auf der Straße getragen wird“, so das Gericht. Dies gelte auch, wenn der Versicherungsnehmer auf der Straße von einem Unbekannten angesprochen werde und – für diesen sichtbar – die Zeit ablese.  

Die Richter verurteilten die Versicherung, dem Versicherungsnehmer den Neuwert der Uhr zu ersetzen.