VW-Abgasskandal: ARAG winkt nicht jede Klage durch

Top News Versicherungen von Florian Burghardt

Die Fahrer manipulierter Autos wollen Schadenersatz. Doch ein Rechtsstreit kostet Geld - und nicht immer zahlt der Versicherer. Warum die ARAG nicht jeder Klage Erfolgschancen einräumt und was die Gerichte dazu sagen.

Etwa jedem vierten Klagevorhaben von VW-Fahrern räumt die ARAG keine ausreichenden Erfolgsaussichten ein - und gibt deshalb keine Deckungszusage.

Etwa jedem vierten Klagevorhaben von VW-Fahrern räumt die ARAG keine ausreichenden Erfolgsaussichten ein - und gibt deshalb keine Deckungszusage. Bild: melodiustenor/Pixabay.com

Die manipulierte Abgas-Software kommt Volkswagen neben dem erlittenen Imageschaden und dem Einbruch der Aktienkurse auch direkt finanziell teuer zu stehen. In den USA wurden mit Behörden und betroffenen VW-Fahrern bereits Einigungen in zweistelliger Milliardenhöhe vereinbart.

Wer in Deutschland Schadenersatz erhalten möchte, weil das von ihm gekaufte Auto die versprochene Umweltfreundlichkeit nicht einhält, muss da schon mehr Geduld mitbringen. Hierzulande gibt es noch keine kollektive Einigung. Jeder muss selbst sein Glück versuchen.

Für Rechtsschutzversicherte heißt das, sich erst einmal eine Deckungszusage für die juristischen Schritte einzuholen. Doch nicht alle erhalten von ihrem Versicherer automatisch grünes Licht für eine Klage gegen den Autobauer beziehungsweise den Fahrzeughändler.

Großkanzlei bemängelt Ablehnungen

Die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Stoll & Sauer aus dem Baden-Württembergischen Lahr vertritt nach eigenem Bekunden über 30.000 Geschädigte im VW-Skandal. Sie bemängelt offen die nicht seltenen Deckungsablehnungen einiger Rechtsschutzversicherer. Dabei hat sie vor allem die ARAG Rechtsschutzversicherung auf dem Kieker, die zahlreiche Anfragen von Versicherten mit der Begründung mangelnder Erfolgsaussichten abgelehnt hat.

Diese Ablehnungen sind aus Sicht der Kanzlei „grob rechtswidrig“, weshalb sie bereits in mehreren Fällen Deckungsklage gegen den Versicherer eingereicht hat. Die Gerichte scheinen den Ausführungen der Anwälte Recht zu geben. So listet Stoll & Sauer auf einer ihrer Internetseiten mehrere, noch nicht rechtskräftige Urteile auf, wonach die ARAG Deckung für die Klagen von geschädigten VW-Fahrern übernehmen muss.

Zuletzt folgte das Landgericht Düsseldorf der Argumentation der Kanzlei, die aus dem Urteil mit Aktenzeichen 9 O 95/16 wie folgt zitiert: „Es besteht die zumindest gleich große Wahrscheinlichkeit für einen positiven Ausgang des Vorgehens gegen die VW-AG aus § 826 BGB wie für einen negativen Ausgang.“ Aus Sicht der Richter reicht also eine 50-prozentige Erfolgswahrscheinlichkeit aus, um einen Rechtsschutzversicherer zur Übernahme der Klagekosten zu bestimmen.

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