Krankenversicherung: Mangelnder Wettbewerb geht zu Lasten der Kunden

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Die Monopolkommission kritisiert den wettbewerblichen Stillstand innerhalb von GKV und PKV. Gefordert werden unter anderem gesetzliche Wahltarife und die Mitnahme von Altersrückstellungen. Der PKV-Verband antwortete prompt.

Die Monopolkommission fordert einen stärkeren Wettbewerb innerhalb der beiden KV-Systeme. Davon profitieren könnten neben den Kunden auch die Vermittler.

Die Monopolkommission fordert einen stärkeren Wettbewerb innerhalb der beiden KV-Systeme. Davon profitieren könnten neben den Kunden auch die Vermittler. Bild: babilkulesi/Pixabay.com

Im deutschen Krankenversicherungssystem gibt es eine Vielzahl von wettbewerblichen Defiziten, sowohl in der gesetzlichen (GKV) als auch der privaten Krankenversicherung (PKV). Diese Defizite würden die Effizienz der Anbieter vermindern und unnötige Kosten für die Versicherten verursachen.

So lauten die Vorwürfe an das deutsche KV-System, die die unabhängige Monopolkommission in ihrem Sondergutachten „Stand und Perspektiven im deutschen Krankenversicherungssystem" herausgearbeitet hat.

Konkurrenz soll das Geschäft beleben

Weiter heißt es, das bestehende System würde den Versicherern und Krankenkassen die Anreize nehmen, nach Wegen für die optimale Versorgung der Patienten und Kosteneinsparungen zu suchen. Dabei sei die Herausforderung für die Anbieter vor dem Hintergrund konstant steigender Gesundheitskosten ohnehin schon groß.

Zusammen mit ihren Vorwürfen hat die Monopolkommission auch einige mehr oder minder neue Lösungsansätze formuliert. So müssten generell im Gesundheitswesen die Chancen durch die Digitalisierung stärker wahrgenommen werden. Funktionieren könnte dies beispielsweise durch eine vermehrte Nutzung App-basierter Dienste zur Prävention oder besser abgestimmter Behandlungsabläufe durch die Vernetzung von Ärzten, Patienten und Versicherern.

Als wichtigsten Schlüssel für eine Aufwertung des gesamten Gesundheitssystems bezeichnen die Gutachter aber eine Belebung der Konkurrenz unter den Anbietern innerhalb von GKV und PKV.  „Die Intensivierung des Wettbewerbs innerhalb der Krankenversicherungssysteme ist Voraussetzung, um eine bessere Versorgung für die Versicherten zu gewährleisten und die Kosten zu senken", so der Vorsitzende der Monopolkommission, Professor Achim Wambach.

Wahltarife für gesetzlich Versicherte

Für eine konkrete Verbesserung der GKV rät die Kommission unter anderem die Schaffung von Wahltarifen für einen individuelleren Versicherungsschutz. Im Zuge dessen sollte auch das ganze Tarifspektrum erweitert werden. Ein weiterer Vorschlag ist die vermehrte Behandlung durch Ärzte und Krankenhäuser, mit denen durch die Kasse vorher ein Qualitätsvertrag ausgehandelt wurde.

Bei den Mittelzuweisungen, welche die Kassen aus dem Gesundheitsfonds erhalten, sollten zukünftig auch Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden. Krankenkassen, die mehr für die Prävention ihrer Versicherten ausgeben, sollten auch mehr aus dem Fonds erhalten. Damit könnten vielleicht auch manche sehr hohe GKV-Zusatzbeiträge reduziert oder die Anzahl der zu erhöhenden Zusatzbeiträge etwas verringert werden.

PKV: Mitnahme von Altersrückstellungen erleichtern

In der PKV sieht die Monopolkommission den größten Handlungsbedarf bei dem komplexen und in der Beratung nicht ganz unstrittigen Thema Tarif- und Anbieterwechsel.

Besonders bei dem Aspekt der Altersrückstellungen empfiehlt die Kommission ein Konzept, bei dem die Rückstellungen entsprechend dem Gesundheitszustand des Versicherten mitgenommen werden können. Die Angst vor der Unbezahlbarkeit der PKV-Beiträge im Alter ist laut einer Studie ein großes Hemmnis von Wachstum in der PKV und somit auch von Geschäft für die Vermittler.

Das vollständige Sondergutachten kann als PDF-Datei unter diesem Link aufgerufen werden.

PKV-Verband reagiert

Die Forderung nach einer Portabilität von Altersrückstellungen hat der Verband der privaten Krankenversicherung gleich nach der Veröffentlichung des Sondergutachtens in einem eigenen Statement kommentiert. Demnach handelt es sich bei den Rückstellungen um eine gemeinsame Risikovorsorge des Versichertenkollektivs. 

"Es wechseln fast nur Junge und Gesunde. Damit führt jeder Wechsel zu einer Verschlechterung der Risikomischung", meint Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbandes. Die rückwirkende Portabilität für teilweise Jahrzehnte alte Verträge würde zu einer Entsolidarisierung und somit Verteuerung der Tarife zu Lasten der Alten und Kranken führen, so Leienbach weiter. 

Für alle seit dem 1.1.2009 abgeschlossenen PKV-Verträge ist eine Mitnahme in Höhe der Basistarif-Rückstellung einkalkuliert. Laut dem PKV-Verband gilt das bereits für mehr als zwei Millionen Versicherte. Laut Leienbach ist "einen solchen Anspruch von vornherein einzukalkulieren aber etwas grundlegend anderes als ein rückwirkender Eingriff."

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