Grundfähigkeitsversicherung: Große Unterschiede in den Bedingungen

Berater Top News von Florian Burghardt

Wie Schrehardt in einem Webinar für das Campus Institut erklärte, gibt es unter anderem beim Gebrauch der Arme große Unterschiede. So definiert die Swiss Life den Verlust dieser Grundfähigkeit in ihren AVB so, dass die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist,

  • den rechten oder linken Arm in gestreckter Armhaltung bis auf Schulterhöhe zu heben und 10 Sekunden lang in dieser Position zu halten und

  • mit dem Arm, der nicht auf Schulterhöhe gehoben werden kann, gleichzeitig auch nicht fähig ist, einen mit einem Griff versehenen Gegenstand von 5 kg von einem Tisch zu heben und 5 Meter weit auf festem und ebenem Boden gehend zu tragen.

  • Die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde (z. B. Zustand nach Schlaganfall, Morbus Parkinson) erklärbar sein.

Die Canada Life hat die Definition ihres Leistungsauslösers eher alltagsnah gestaltet. Bei ihr liegt der Verlust der Grundfähigkeit vor, „wenn die versicherte Person nicht ohne Hilfestellung eine Jacke anziehen kann. Auf die Fähigkeit, eine Jacke öffnen oder schließen zu können, kommt es nicht an.“

Laut Schrehardt bedürfen diese AVB einer weiterführenden Bewertung. So könne eine Jacke auch dann angezogen werden, wenn die Funktionsfähigkeit eines Arms eingebüßt wurde. Er (Schrehardt) habe das selbst zusammen mit seinen Mitarbeitern ausprobiert. „Im Ergebnis bedeutet dies, dass, anders als bei der Swiss Life, nach den AVB der Canada Life ein Funktionsverlust beider Arme nachgewiesen werden muss“, schlussfolgert der Consilium-Chef.

Begriffe genauer definieren

In den Grundfähigkeits-AVB der Allianz heißt es: „Ein Verlust der Grundfähigkeit des Gebrauchs der Arme liegt vor, wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, mit dem linken oder dem rechten Arm in Schulter- bzw. Brusthöhe zu arbeiten.“

Bei dieser Formulierung ergeben sich Schrehardt gleich mehrere Fragen dazu, was der Versicherer unter „arbeiten“ versteht:

  • Ist damit eine berufliche Tätigkeit gemeint? Wenn ja, welche berufliche Tätigkeit?

  • Oder geht es um hauswirtschaftliche Arbeiten?

  • Über welche Zeitdauer muss die versicherte Person unfähig sein in Schulterhöhe zu arbeiten? 10 Minuten, 3 Stunden oder für die Dauer eines Arbeitstages

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