Grundfähigkeitsschutz: Zwei Versicherer reden Klartext

Berater von Florian Burghardt

Letzte Woche hatte procontra über die unterschiedlichen und teilweise unverständlichen Definitionen in den Bedingungen von Grundfähigkeits-Versicherern berichtet. Jetzt haben Canada Life und Allianz ihre Vertragswerke erläutert.

Die Erläuterungen der Versicherer dürften für einige Vermittler Licht ins Bedingungsdunkel bringen.

Die Erläuterungen der Versicherer dürften für einige Vermittler Licht ins Bedingungsdunkel bringen. Bild: Pexels/Pixabay.com

Wenn man sich in Maklerkreisen umhört, gehen die Meinungen zur Grundfähigkeitsversicherung (GF) weit auseinander. Während manche von einer echten Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sprechen, sehen andere darin eher eine Notlösung.

Zu beachten ist bei dieser Form der Absicherung vor allem, dass die gerade einmal neun Anbieter auf dem deutschen Markt große Unterschiede in ihren Bedingungen aufweisen. Alexander Schrehardt, Geschäftsführer des Versicherungsberaters Consilium, hat dafür im procontra-Artikel einige Beispiele genannt. Die definierten Leistungsauslöser der Versicherer würden sich nicht nur stark voneinander unterscheiden, sondern seien teilweise auch intransparent.

Was heißt „arbeiten“?

Konkrete Beispiele sind die Definitionen für den Wegfall der Grundfähigkeit „Gebrauch der Arme“ in den AVB der Canada Life und der Allianz. Bei der Canada Life ist nicht klar, ob der Funktionsverlust nur eines oder beider Arme nachgewiesen werden muss. Bei der Allianz ist nicht transparent, welche genauen Tätigkeiten und welche Zeitdauer der Begriff „arbeiten“ unter sich subsumiert.

Beide Gesellschaften haben auf procontra-Nachfrage geantwortet und ihre Bedingungen erläutert. So sagt die Allianz, dass mit „arbeiten“ jegliche Tätigkeit gemeint ist. Also sowohl das Putzen der Deckenlampe zu Hause, als auch das berufliche Streichen einer Zimmerdecke. Die Zeitdauer ist dabei unerheblich. „Wenn der Kunde, den Arm nicht mehr über Schulter und Brusthöhe heben kann (egal wie lange) wird geleistet“, heißt es von Unternehmensseite.

Die Formulierung in den Allianz-Bedingungen lautet: „Ein Verlust der Grundfähigkeit des Gebrauchs der Arme liegt vor, wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, mit dem linken oder dem rechten Arm in Schulter- bzw. Brusthöhe zu arbeiten.“

Die Jacke entscheidet

Bei der Canada Life hatte folgende Formulierung die Frage nach der Anzahl der funktionsunfähigen Arme aufgeworfen: „Der Verlust der Grundfähigkeit des Gebrauchs der Arme liegt vor, wenn die versicherte Person nicht ohne Hilfestellung eine Jacke anziehen kann. Auf die Fähigkeit, eine Jacke öffnen oder schließen zu können, kommt es nicht an.“

Eine Sprecherin des Unternehmens erklärt: „Es ist tatsächlich so, dass es bei uns bei der versicherten Grundfähigkeit „Arme bewegen“ nicht darauf ankommt, ob ein Funktionsverlust eines oder beider Arme vorliegt. Als Leistungsauslöser ist nur wichtig, dass die versicherte Person nicht mehr fähig ist, die Jacke anzuziehen.“

Ob der Versicherte seine Jacke auch mit nur einem funktionstüchtigen Arm noch anziehen kann, muss im Einzelfall von einem Arzt beurteilt und an den Versicherer berichtet werden.

Vorsprung durch Anspruch

Unterschiedliche Definitionen wie diese machen deutlich, wie schwierig ein Vergleich von GF-Tarifen für Makler ist. Ohne genaue Kenntnis der Bedingungen und konkretes Nachfragen beim Versicherer lässt sich wohl kaum die richtige Empfehlung für den Kunden aussprechen.

Der hohe Anspruch der GF-Versicherung könnte aber auch ein Segen für die Vermittler sein. Durch die schwierigen Voraussetzungen bei der Tarifauswahl dürften sie hier noch lange einen Vorsprung vor Robo-Advisern und Vergleichsportalen behalten.   

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