Gesetzlicher Unfallschutz: 2 wichtige Änderungen für häuslich Pflegende

Berater von Florian Burghardt

Das Pflegestärkungsgesetz hat vieles verändert. Nicht nur für die Pflegebedürftigen selbst, auch für die Menschen, die sich nicht erwerbsmäßig um sie kümmern. Makler, die jetzt den Durchblick behalten, können damit bei ihren Kunden punkten.

Ein Unfall im Supermarkt ist ab jetzt immer versichert. Auch, wenn man nur eine Kleinigkeit für den Pflegebedürftigen mitkauft.

Ein Unfall im Supermarkt ist ab jetzt immer versichert. Auch, wenn man nur eine Kleinigkeit für den Pflegebedürftigen mitkauft. Bild: stevepb/Pixabay.com

Seit dem 1. Januar 2017 gilt das Pflegestärkungsgesetz II (PSG). Daraus haben sich zahlreiche Änderungen ergeben, beispielsweise dass es nun fünf Pflegegrade anstatt wie früher drei Pflegestufen gibt.

Um bei ihren Kunden mit Fachwissen zu punkten, sollten sich Makler sowohl mit der aktuellen Pflegesituation in Deutschland und der Höhe der Leistungen auskennen als auch über die Bestimmung des Pflegegrades Bescheid wissen.

Doch nicht nur für bereits pflegebedürftige Menschen und solche, die sich für den möglichen Pflegefall absichern möchten hat die Reform Neuerungen gebracht. Auch für die Pflegepersonen – häufig Verwandte, Freunde oder Nachbarn, die die Betroffenen in deren häuslicher Umgebung nicht erwerbsmäßig pflegen – haben sich Änderungen ergeben. Diese betreffen unter anderem deren Absicherung in der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Zehn Stunden, zwei Tage, Pflegegrad zwei

Konkret zwei Neuerungen gibt es für Pflegepersonen auch in der gesetzlichen Unfallversicherung. Dort erhielten Sie während der Ausübung der Pflege bislang beitragsfreien Versicherungsschutz. Wie sie diesen beibehalten können hat Eberhard Ziegler vom Referat für Grundlagen des Leistungsrechts bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in einem Audiointerview mit dem Presseportal erklärt:

"Erstens muss man mindestens eine Zeit von zehn Stunden pro Woche aufwenden und das regelmäßig an zwei Tagen die Woche. Und zusätzlich muss die pflegebedürftige Person mindestens in Pflegegrad zwei eingestuft sein."

Die Änderung gilt aber nur für Pflegeverhältnisse, die sich seit dem 1. Januar 2017 ergeben. Ziegler erklärt weiter: "Vor dem Pflegestärkungsgesetz war es so, dass der Zeitaufwand keine Rolle spielte. Also auch wer nur kurzfristig oder gelegentlich gepflegt hat, war versichert. Für diese Personen gilt nach wie vor, dass sie versichert sind, wenn sie dieselbe Person weiter pflegen - als Art Besitzstand."

Anteile spielen keine Rolle mehr

Während diese Änderung durch die Pflegepersonen eventuell als einschränkend empfunden werden kann, erweitert die zweite Neuerung ihren gesetzlichen Unfallschutz. So waren bislang bestimmte Tätigkeiten vom Versicherungsschutz ausgenommen, wenn sie nicht überwiegend der pflegebedürftigen Person zu Gute kamen.

"Also zum Beispiel beim Einkauf: Wenn man mehr für sich und die eigene Familie eingekauft hat, als für die Pflegeperson, war man nicht versichert. Das ist heute anders. Versichert sind all die Tätigkeiten, für die im Gutachten der Pflegekasse ein entsprechender Bedarf festgestellt worden ist. Zum Beispiel beim Waschen, Duschen, Essen, Begleitung zum Arzt und ähnliche Dinge“, erläutert Ziegler.

Trotz dieses umfangreichen Unfall-Versicherungsschutzes ist der Nutzen einer privaten Unfallversicherung für Pflegepersonen aber nicht obsolet. Schließlich gab es 2014 schätzungsweise knapp 10 Millionen Unfallverletzte in Deutschland. Die Mehrheit dieser Fälle – fast 4 Millionen – ereigneten sich in der Freizeit.