Geht bald die Hälfte des Gehalts für Sozialabgaben drauf?

Berater von Florian Burghardt

Die Deutschen werden immer älter. In der Folge steigen die Krankheits- und Pflegekosten. Wie viel Geld für eine gleichbleibende Absicherung fehlt hat eine neue Studie ermittelt. Die Zahlen liefern gleichzeitig Argumente für eine private Vorsorge.

Um Krankheits- und Pflegeleistungen auf gleichbleibendem Niveau zu garantieren, müssten laut IW die Sozialabgaben bis 2040 auf rund die Hälfte des Einkommens steigen.

Um Krankheits- und Pflegeleistungen auf gleichbleibendem Niveau zu garantieren, müssten laut IW die Sozialabgaben bis 2040 auf rund die Hälfte des Einkommens steigen. Bild: ralfkothe05/Pixabay.com

Derzeit 2,55 Prozent des Bruttogehalts – beziehungsweise 2,8 Prozent für Versicherte ohne Kinder – beträgt der Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung. Die Politik geht nicht davon aus, dass der Beitrag in den nächsten Jahren noch einmal angehoben wird, erwähnt aber auch, dass eine zusätzliche private Vorsorge wichtig ist.

Zwischen den Zeilen gelesen ist eine steigende Notwendigkeit privater Vorsorge auch das Fazit einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Laut dessen Untersuchungen wird der demografische Wandel in Deutschland eine enorme Finanzierungslücke, sowohl in das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als auch der sozialen Pflegeversicherung reißen.

Mehr als 60 Milliarden Euro zu wenig

In seiner Simulation geht das IW von gleichbleibenden Beitragssätzen auf dem heutigen Niveau aus. Wäre dies der Fall, so würden 2040 in der GKV bereits 51 Milliarden Euro fehlen. Wohlgemerkt, um die Leistungen auf dem aktuellen Niveau zu halten. In der Pflegeversicherung würde eine Lücke von rund 10 Milliarden Euro klaffen.

Zwar würde bis dahin die Anzahl der Beitragszahler nur geringfügig abnehmen. Deren Struktur würde sich aber deutlich verändern, so dass 2040 etwa 5 Millionen mehr Rentner Beiträge in die Sozialversicherung zahlen, die Zahl der Beitragszahler im erwerbsfähigen Alter aber etwa genauso stark zurückgeht. Da das beitragspflichtige Alterseinkommen trotz zuletzt stark steigender Renten im Schnitt geringer ausfällt als das beitragspflichtige Lohneinkommen werden durch den Strukturwandel die Beitragseinnahmen deutlich sinken.

Stark steigende Abgaben

Dies hat laut der Studie zur Folge, dass der Beitragssatz in der GKV bis 2040 auf 19,2 Prozent steigen muss, um einen gleichbleibenden Leistungsumfang zu garantieren. In der Pflegeversicherung wäre eine Anhebung auf 3,2 Prozent notwendig.

In Kombination mit der von Sozialministerin Andrea Nahles angekündigten Erhöhung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung könnten die Abgaben für die Sozialversicherung 2040 bereits etwa die Hälfte des monatlichen Bruttoeinkommens ausmachen. Steuern sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Das Institut fordert deshalb ein Handeln der Politik. Als mögliche Lösungsansätze werden Reformen der Finanzierungsseite, neue Verfahren zur Gestaltung der Leistungskataloge und neue Organisationsformen für die medizinischen und pflegerischen Leistungserbringer sowie eine ressourcenschonendere Versorgung der Patienten und Pflegebedürftigen vorgeschlagen.

Die Beitragsanhebungen und Lösungsvorschläge im Szenario würden nur dazu beitragen, die Pflegeabsicherung auf einem konstanten Niveau zu halten. Bessere Versorgung im Ernstfall gibt es nur durch private Vorsorge. Umfangreiche Informationen zur Pflegesituation in Deutschland sowie aktuelle Entwicklungen und Beratungsansätze liefert die procontra Themenseite „Pflege“

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