Die IDD und die Frage der Restschuldversicherungen

Berater von Martin Thaler

Der jetzige IDD-Entwurf vernachlässige eine verbraucherfreundliche Regulierung beim Thema Restschuldversicherungen, kritisieren Verbraucherschützer. Die Branche hält dagegen. Auch beim Thema Provisionsabgabeverbot sehen die Verbraucherschützer Nachbesserungsbedarf.

Äußerte Kritik an der Restschuldversicherung und deren unzureichender Regulierung im Rahmen der IDD: Verbraucherschützerin Dorothea Mohn.

Äußerte Kritik an der Restschuldversicherung und deren unzureichender Regulierung im Rahmen der IDD: Verbraucherschützerin Dorothea Mohn. Foto: VZBV

An diesem Donnerstag wird die IDD-Umsetzung in deutsches Recht erstmals im Bundestag besprochen – das Zeitfenster für Kritik am aktuellen Gesetzesentwurf wird folglich mit weiterem Fortschreiten des Gesetzesprozesses immer kleiner.  

Noch vor der ersten Lesung des Gesetzesentwurfs meldet sich nun der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) zu Wort. Ein wesentlicher Kritikpunkt der Verbraucherschützer ist dabei das Thema Restschuldversicherung. Eine Versicherung, die einspringt, wenn ein Kredit infolge eines Todesfalls oder eines Jobverlusts nicht mehr bezahlt werden kann. Zumindest theoretisch. Denn in der Praxis überzeuge diese Art der Versicherung keinesfalls, so die Kritik der Verbraucherschützer.

„Die Restschuldversicherung ist ein maßlos überteuertes Produkt mit lückenhaftem Versicherungsschutz, das oft an Wucher grenzt“, kritisiert Dorothea Mohn, Leiterin beim Team Finanzmarkt. „Verbraucher können Nachteile des Produkts gar nicht erkennen, weil sie schlecht beraten und manchmal absichtlich in die Irre geführt werden“, so Mohn.  

Branche hält dagegen

Oftmals werden Restschuldversicherung gleich zusammen mit einem Kredit an den Kunden bzw. die Kundin gebracht. Gerade durch diese Bündelpolicen würde aber die Beratungs- und Informationspflicht der Versicherungsvermittler auf der Strecke bleiben, so die Kritik des VZBV. Die Forderung der Verbraucherschützer laute daher: Banken bzw. andere Kreditvermittler müssten dazu verpflichtet werden, die Restschuldversicherungen nur separat und nicht gebündelt zu verkaufen. Die Verbraucher müssten zudem individuell beraten und über die Vor- und Nachteile der Produkte aufgeklärt werden. Dieser Punkt ist im jetzigen IDD-Entwurf jedoch nicht enthalten.  

Die Branche hält naturgemäß dagegen. So präsentierte die BNP Paribas Cardif im Februar eine Studie, die in Zusammenarbeit mit der Handelshochschule Leipzig erstellt worden. „Die Studie der Handelshochschule Leipzig zeigt deutlich, dass der Großteil der Kunden mit ihrer Restkreditversicherung zufrieden ist. Dies trifft nicht nur auf die Beratung zu, sondern gilt insbesondere auch wenn es zum Leistungsfall kommt“, unterstreicht David Furtwängler, Hauptbevollmächtigter BNP Paribas Cardif Deutschland.

So hätten zwei Drittel der Befragten, die eine Restkreditversicherung bzw. Restschuldversicherung abgeschlossen hatten, bestätigt, vor dem Kauf ausführlich beraten worden zu sein. Noch höher sei die Zufriedenheit im Leistungsfall: Hier gaben 84 Prozent der Betroffenen an, dass die Leistungsbearbeitung zügig und kompetent erfolgte.  

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