bAV: Ein Vorschlag für Sicherheit ohne Rentengarantie

Berater von Florian Burghardt

Mittelständische Unternehmen erwarten durch die Betriebsrentenreform ein steigendes Arbeitnehmer-Interesse an der bAV. Möglich werden könnten dann auch Zusagemodelle ohne garantierte Leistungen. Wie sicher die Beiträge dann noch sind, rechnet Aon Hewitt vor.

Durch die reine Beitragszusage könnten mehr Beschäftigte eine bAV erhalten. Die Sicherheit einer garantierten Rente fehlt dann aber.

Durch die reine Beitragszusage könnten mehr Beschäftigte eine bAV erhalten. Die Sicherheit einer garantierten Rente fehlt dann aber. Bild: RyanMcGuire/Pixabay.com

Die von Bundesarbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles vorangetriebene Betriebsrentenreform soll mehr Beschäftigten in Deutschland den Zugang zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) ermöglichen. Der Hauptgrund, warum Arbeitnehmer keinen bAV-Vertrag abschließen ist, dass ihnen ihr Arbeitgeber dies nicht ermöglicht.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) könnte den Wandel bringen. Zumindest rechnen rund zwei Drittel (64 Prozent) der deutschen mittelständischen Unternehmen im Zuge der Reform mit steigendem Arbeitnehmer-Interesse an der bAV. Das geht aus einer repräsentativen forsa-Umfrage unter 200 bAV-Verantwortlichen von deutschen mittelständischen Unternehmen hervor, die im Auftrag der Generali Versicherungen durchgeführt wurde.

Darauf reagieren und ihr bestehendes Angebot entsprechend anpassen wollen aber gerade einmal 17 Prozent der Befragten. Die bevorstehende Reform löst offenbar nur wenig Drang zur Veränderung bei den Unternehmen aus, die bereits eine bAV anbieten. Das hatte kürzlich auch eine andere Studie ergeben.

Garantien führen zu niedrigen Renten

Dabei bringt das BRSG mit der reinen Beitragszusage eine bislang nicht dagewesene Möglichkeit zur Enthaftung von Arbeitgebern in der bAV mit sich. Diese müssen dann als Versicherungsnehmer nur noch die Zahlung der zugesagten Beiträge in den Vertrag des Arbeitnehmers garantieren. Es wird keine Mindestrente mehr definiert, für die der Arbeitgeber haften muss.

Dass sich die Beschäftigten deswegen aber keine Sorgen um die Sicherheit ihrer Betriebsrenten machen müssen, behauptet Dr. Torsten Köpke von Aon Hewitt, der Personalberatungseinheit von Aon.

Vielmehr als dass sie Sicherheit geben, würden Garantiemodelle, aus seiner Sicht, zu dauerhaft sehr niedrigen Rentenhöhen führen. „Garantien erzwingen eine extrem konservative Anlagestrategie und kosten deshalb viel Geld. Fallen sie weg, lassen sich die Chancen des Kapitalmarktes wesentlich besser nutzen“, wird Köpke in einer Pressemitteilung zitiert.

Viel mehr Geld in Aktien stecken

In einer Beispielrechnung von Aon Hewitt wird aus 1.000 Euro jährlicher Einzahlung über 35 Jahre bei einem Zielrentenmodell eine Betriebsrente von 4.000 Euro pro Jahr. Wird auf der Basis einer Garantie gerechnet, ergibt sich trotz einkalkulierter Überschussbeteiligung eine Anfangsrente von nur 2.209 Euro.

Wichtiger Faktor ist dabei eine Umschichtung in der Kapitalanlagestrategie. Statt einer Verteilung in europäische Staats- und Unternehmens-Anleihen (je 40 Prozent) sowie in internationale Aktien und Immobilien (je 10 Prozent) setzt Köpke mehr auf spekulative Anlagen (Anleihen je 20 Prozent, Aktien 50 Prozent, Immobilien 10 Prozent).

Dieser Tage war auch die Forderung nach einem Mindestanteil von Aktien bei Riester-Verträgen laut geworden. Vor allem jüngere Menschen können sich zunehmend mit einer Geldanlage in Wertpapieren anfreunden. Lebensversicherungs-Produkte ganz ohne oder mit reduzierten Garantien schneiden bei der Rendite allerdings nicht unbedingt besser ab als die klassischen Tarife.

Rentenkürzungen extrem unwahrscheinlich

Volles Risiko will aber auch Köpke nicht gehen. „Sicherheit lässt sich auch ohne Garantien realisieren,” erklärt er. Aus seiner Sicht sind die Modelle am besten, bei denen vom Gesetzgeber vorgesehene Glättungsmechanismen in Form geeigneter Kapitalanlagestrategien, kollektive Kapitalpuffer, Sicherungsbeiträge und eine geeignete Festlegung der Anfangsrente optimal miteinander kombiniert werden.

Nach der Einschätzung des Aon Hewitt-Experten können auf diesem Wege extreme Schwankungen des Kapitalmarktes ausgeglichen werden. Nach seinen Berechnungen wird es so extrem unwahrscheinlich, dass es zu Kürzungen bei den Betriebsrenten kommt.

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