Assekurata bemängelt LV-Bericht der BILD-Zeitung

Versicherungen Meistgeklickt von Florian Burghardt

Die BILD kritisiert die Finanzkraft der deutschen Lebensversicherer. Bereits 20 würden sich in der "Zins-Falle" befinden. Die zugrunde liegenden Werte stammen von Assekurata. Die Ratingagentur bemüht sich um Richtigstellung.

Laut der Bild-Zeitung stecken 20 Lebensversicherer in der "Zins-Falle".

Laut der Bild-Zeitung stecken 20 Lebensversicherer in der "Zins-Falle". Foto: procontra

Die Auflage ist zwar seit Jahren rückläufig – dennoch erreicht die Bild-Zeitung Tag für Tag immer noch mehrere Millionen Leser. Diese wurden heute mit der Titelseite „So krank ist IHRE Lebensversicherung“ auf die Ausgabe aufmerksam gemacht.

In ihrem Leitartikel „Ist Ihre Lebensversicherung auch unter Druck?“ stellen die Bild-Autoren die Kapitalausstattung von 75 Lebensversicherern gegenüber. Die Kernaussage: Bereits 20 Anbieter würden sich in der „Zins-Falle“ befinden.

Dieses Fazit beruht auf der Kennzahl „Finanzkraft“, welche die Kapitalerträge aus Kundengeldern mit den bestehenden Rechnungszinsanforderungen aufrechnet. Demnach schneidet die HDI Lebensversicherung mit einer Unterdeckung von 0,97 Prozent besonders schlecht ab. Die Bayerische kommt hingegen auf ein Plus von 2,49 Prozent.

BILD erweckt falschen Eindruck

Die Werte beruhen auf einer Studie der Ratingagentur Assekurata, die im vergangenen Jahr die Daten von 75 Anbietern aus dem Geschäftsjahr 2015 untersucht hat. In einer, am heutigen Nachmittag verfassten Stellungnahme bemängelt Assekurata die Darstellung der Bild.

In ihrem Bericht zielt die Bild-Zeitung auf eine bestimmte Kennzahl ab. Hierüber wird der Eindruck erweckt, dass ein hoher Wert eine hohe „Finanzkraft“ widerspiegele und umgekehrt, heißt es in der Pressemitteilung.

Diese Interpretation sei aber nicht stichhaltig, da den Lebensversicherern noch weitere Kapitalanlageerträge zur Verfügung stehen, die in der dargestellten Kennzahl nicht berücksichtigt sind.

„Eigenmittelstärke unter Solvency II wird völlig ignoriert“

Weiter heißt es: „Sollten die Kapitalanlageerträge selbst dann nicht zur Rechnungszinsfinanzierung ausreichen, können die Unternehmen überdies auf weitere Ergebnisquellen jenseits der Kapitalanlage zurückgreifen. Diese weiteren Ergebnisquellen können den Gesamtertrag mitunter deutlich stabilisieren.“ Gemeint ist damit unter anderem eine Querverrechnung mit anderen Ergebnistöpfen, beispielsweise aus dem Risikoergebnis von Risikolebens- und BU-Versicherungen.

Bei der Bewertung der Finanzkraft von Versicherern spielen viele Faktoren und Kennzahlen eine Rolle. Aus Sicht von Assekurata ist die Finanzkraft-Aussage der Bild-Zeitung „keinesfalls als Fundamentalaussage zur Finanzkraft beziehungsweise Bonität einzelner Unternehmen zu missdeuten, zumal sie weitere wichtige Aspekte, beispielsweise die Eigenmittelstärke unter Solvency II, völlig ignoriert.“

Umfangreiche Informationen, Kennzahlen und Analysen zu den Lebensversicherern finden Sie im procontra LV-Check