Altersvorsorge: Kein Geld, kein Plan, kein Ruhestand

Berater von Martin Thaler

Viele Selbstständige in Deutschland wissen, dass sie etwas für ihre Altersvorsorge tun müssen, machen dann aber doch nichts. Für viele Selbstständige rückt der Ruhestand damit in weite Ferne, wie eine neue Studie offenbart.

Für viele Selbstständige bleibt der Traum vom Ruhestand ein solcher bzw. einer, der sich erst im hohen Alter umsetzen lässt.

Für viele Selbstständige bleibt der Traum vom Ruhestand ein solcher bzw. einer, der sich erst im hohen Alter umsetzen lässt. Foto: dutchpirates - Pixabay.de

Wer in Deutschland als Selbstständiger tätig ist, scheint keine großen Erwartungen an seine eigene Zukunft zu haben. Zumindest wenn man einer Studie des Versicherers Aegon, für die in 15 Ländern insgesamt 17.600 Arbeitnehmer und Selbstständige befragt wurden, Glauben schenkt. Diese besagt, dass gerade einmal ein Fünftel der Selbstständigen (20 Prozent) in Deutschland davon überzeugt ist, im Ruhestand komfortabel leben zu können. Vor allem die Deutschen scheinen dabei an ihrer finanziellen Zukunft zu zweifeln – auch wenn die Zahlen im internationalen Durchschnitt (26 Prozent) nur unwesentlich freundlicher ausfallen.  

Da nur die wenigsten Selbstständigen in Deutschland an eine auskömmliche Rente glauben, sind die meisten davon überzeugt, erst später bzw. überhaupt nicht in den Ruhestand gehen zu können. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der deutschen Selbstständigen gab an, erst nach dem 65. Lebensjahr in den Ruhestand gehen zu können, einige von diesen sogar, bis zu ihrem Lebensende arbeiten zu müssen. Dies ist zwar teils auch aus anderen Motiven begründet, jedoch sind finanzielle Gründe hierbei nicht zu missachten.  

Strategien haben die wenigsten

„Da sie in der Regel weder in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen noch in den Genuss arbeitgebergeförderter Altersvorsorgeleistungen kommen, müssen sich Selbstständige besonders sorgfältig mit ihrer Ruhestandsplanung befassen“, mahnt Catherine Collinson, Geschäftsführerin des Aegon Center for Longevity and Retirement.  

Laut der Aegon-Studie fühlt sich die überwältigende Mehrheit der Selbstständigen in Deutschland auch selbst verantwortlich für ihre eigene Altersvorsorge. Von dieser Erkenntnis hin zur Umsetzung dieser ins konkrete Handeln scheint es allerdings nach wie vor ein weiter Weg zu sein. Denn gerade einmal 40 Prozent der Deutschen (internationaler Durchschnitt: 34 Prozent) gaben an, regelmäßig Geld zurückzulegen, sich also selbst als Gewohnheitssparer zu bezeichnen. Bei Solo-Selbstständigen sind es mit 29 Prozent noch weniger.  

Eine wirkliche Strategie, schriftlich fixiert, für ihre Altersvorsorge hat kaum jemand, gerade einmal zehn Prozent gaben dies an. 44 Prozent erklärten immerhin, über einen Plan B zu verfügen, falls sie nicht mehr bis zum geplanten Eintritt in den Ruhestand arbeiten können.  

Auch in der deutschen Politik ist das Thema Altersarmut bei Selbstständigen angekommen. In der Sache sind sich die Partei über die Dringlichkeit dieses Problems einig – unterschiedliche Vorstellungen bestehen allerdings hinsichtlich der Lösung. So ist umstritten, ob die nicht obligatorisch abgesicherten Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden sollen, oder aber einfach nur zur Altersvorsorge verpflichtet werden sollen. Letzteres könnte auch über private Anbieter stattfinden.