Wird Cyber zur neuen KfZ-Versicherung?

Berater Top News von Martin Thaler

KPMG gibt das Gesamtvolumen für durch Cyber-Kriminalität in Deutschland entstandene Schäden in Deutschland mit 51 Milliarden Euro an (weltweit: 450 Milliarden Euro). Und die Zahlen dürften weiter steigen, angesichts der Tatsache, dass immer mehr Dienstleistungen und Geschäftsmodelle in die digitale Welt verlagert werden.  

Derzeitig beschränkt sich der Markt allerdings vorwiegend auf Industrielösungen. Erst allmählich kommen erste Anbieter mit Lösungen für kleinere und mittlere Unternehmen auf den Markt. So hatten zuletzt unter anderem die Gothaer, die Ergo sowie HDI neue Produkte vorgestellt.

Das Problem dabei: die nahezu unmögliche Vergleichbarkeit der einzelnen Produkte. So hatte Holger Tittko vom Deutschen Versicherung-Schutzverband (DVS), der der Interessen der versicherungsnehmenden Wirtschaft vertritt, die Schwierigkeiten beim Vergleich angeprangert. So sei schon bei den von den Unternehmen zu erfüllenden Sicherheitsvorgaben eine enorme Spannbreite feststellbar.

Konzept für kleinere Unternehmen soll im März kommen

„Und bei den ergänzenden Deckungsbausteinen habe ich aufgehört zu zählen, als ich bei 120 angekommen bin“, wird Tittko auf der Seite des GDV zitiert. Entsprechend zurückhaltend agieren die Unternehmen: Laut des jüngst veröffentlichten "Cyber Readiness Reports 2017" des Versicherers Hiscox ist für ein Drittel aller Unternehmen in Deutschland der Abschluss einer Cyber-Versicherung absolut kein Thema. 

Die Lösung in dieser Hinsicht soll die Entwicklung von Musterbedingungen sein, die kleinen und mittleren Unternehmen eine bessere Vergleichbarkeit ermöglichen soll. Diese sollen auf der am 28. März dieses Jahres stattfindenden Cyber-Security-Konferenz der Öffentlichkeit vorgestellt werden.  

Bleibt die Frage, warum Privatpersonen in Zukunft verstärkt zu "Internetversicherungen" greifen sollten - hierbei handelt es sich zumeist um Policen, die eine Mischung aus Rechtsschutz und Haftpflichtelementen enthalten und zumeist kritisch betrachtet werden. Selbst der GDV weist auf procontra-Nachfrage daraufhin, dass grundsätzlich viele der gängigen Risiken bereits über Rechtsschutz- bzw. private Haftpflichtpolicen abgedeckt seien. "Aus unserer Sicht sind solche Internetversicherungen bislang eher ein Nischenprodukt", heißt es weiter seitens des Verbandes. Konkrete Zahlen zur Zahl der bestehenden Verträge lägen deshalb auch nicht vor.

In einer vom GDV in Auftrag gegebenen GfK-Umfrage erklärten nur 15 Prozent der Befragten, sich den Abschluss einer Internetversicherung sehr gut vorstellen zu können - 63 Prozent sagten hingegen, dass der Abschluss einer solchen Versicherung für sie nicht in Frage komme. 

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