Wie deutsche Firmen zu Cyber-Versicherungen stehen

Berater von Florian Burghardt

In einem internationalen Vergleich hat der Spezialversicherer Hiscox bewertet, wie gut Unternehmen auf Cyber-Angriffe vorbereitet sind. Wie die deutschen Firmen abschneiden und welche zwei Gründe gegen den Abschluss einer Cyber-Versicherung sprechen.

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen hat noch keine Cyber-Police abgeschlossen.

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen hat noch keine Cyber-Police abgeschlossen.

Passend zum heutigen Safer Internet Day hat das Versicherungsunternehmen Hiscox seinen „Cyber Readiness Report 2017“ veröffentlicht. Im Auftrag des Versicherers hat das Marktforschungsinstitut Forrester Consulting dazu jeweils rund 1.000 Unternehmen aus Deutschland, Großbritannien und den USA nach ihren Strategien, Ressourcen, Technologien sowie Prozessen befragt.

Ergebnis der Studie: Im internationalen Vergleich sind die deutschen Firmen am schlechtesten auf Cyber-Attacken, zum Beispiel Hackerangriffe oder Datendiebstähle, vorbereitet. Fast zwei Drittel der hiesigen Unternehmen (62 Prozent) gelten demnach als „Cyber-Anfänger“, die unzureichend für solche Probleme gewappnet sind. In den USA sind das nur 40, in Großbritannien 57 Prozent.

Viele Attacken, wenig Policen

Dies überrascht deshalb, weil 56 Prozent der befragten deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr mindestens einen Cyber-Angriff auf ihre Netzwerke und Daten feststellen mussten (USA: 63 Prozent; Großbritannien: 51 Prozent). In der deutschen Finanzdienstleistungsbranche waren es sogar 64 Prozent.

Trotz der Cyber-Attacken zeigen die Firmen hierzulande immer noch nur mäßiges Interesse am Abschluss einer entsprechenden Police. Gerade einmal 30 Prozent haben laut der Hiscox-Studie bereits eine Cyber-Versicherung abgeschlossen (USA: 55 Prozent; Großbritannien: 36 Prozent). Und das, obwohl es bereits Schadenbeispiele im zweistelligen Millionenbereich gibt.

Immerhin denken weitere 31 Prozent der deutschen Unternehmen über eine Cyber-Versicherung nach. Sie planen den Abschluss einer Police innerhalb der nächsten 12 Monate.

Kein Vertrauen zu den Versicherern

Absolut kein Thema ist die Cyber-Versicherung für ein Drittel der befragten Unternehmen hierzulande. Von diesem Drittel glauben 40 Prozent, dass eine Cyber-Police nicht relevant ist. Weitere 32 Prozent glauben sogar, dass der Versicherer im Schadenfall nicht zahlen würde und schließen deshalb keinen Vertrag ab.

Allerdings ist auch anzumerken, dass deutsche Firmen dem Thema Cyber-Risiken schon mit weit offeneren Augen begegnen als laut einer anderen Studie noch vor zwei Jahren. Gemäß einer Erhebung des Maklers Aon Risk Solutions besteht sogar ein enormer Anstieg der Nachfrage nach Cyber-Versicherungen.

Diese Entwicklung macht sich auch auf Seiten der Produktgeber bemerkbar. So haben im vergangenen Jahr unter anderem Gothaer, Ergo und HDI ihre neuen Produkte dieser Art vorgestellt. 

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