Versicherungsvermittler: Zwischen Pflichterfüllung und Haftungsfalle

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Haftungsfalle produktbezogener Beratung

In der Praxis erfolgen Beratungen produktbezogen, nicht risikobezogen. Über Risiken, zu denen man Produkte nicht kennt, redet man gar nicht - so etwa die Arbeitnehmerhaftung. Pech für den Makler, wenn es das Produkt gegeben hätte. Denn der BGH erwartet eine Ermittlung der vorhandenen Risiken einerseits und andererseits eine Prüfung, ob der vorzuschlagende Tarif diese abdeckt. Das sind zwei Seiten der Medaille – welche es zu dokumentieren gilt, §§ 60 ff. VVG.

Produkte setzen gelegentlich auf Ängsten auf - dann gibt es eine Krebsversicherung und eine Terrorversicherung. Pech wenn es dann eine Autoimmunerkrankung war oder ein einfacher Amokläufer. Pech für den Makler, wenn er dem Versicherungsnehmer (VN) die Lücke nicht erklärt hat und gefragt, ob er es trotzdem will.

Laufende Beratungspflichten

Versicherer (VR) - bzw. der Makler - haben gemäß § 6 VVG auch Beratungspflichten bei laufendem Versicherungsvertrag. Dazu gehören auch Beratungen zu Leistungen - diese kann man als VN abfragen, samt zugehöriger nachvollziehbarer schriftlicher Dokumentation und Haftung. Pech für den Makler, wenn sich Deckungslücken oder Unterversicherung im Schadensfall herausstellen – um die Ecke bei einem anderen Anbieter hätte es diese vielleicht nicht gegeben. Und statt eine lückenhafte Drohnenversicherung abzuschließen, könnte der besser beratene VN sich ja auch entscheiden, gar nicht mehr mit Drohnen zu spielen.

Wenn der Vermittler bei Risikofragen in der Personenversicherung keine ergänzenden Auskünfte der behandelnden Ärzte einholt, könnte der BGH folgern, dass nicht ermittelt wurde, welche „Risiken der Versicherungsnehmer absichern sollte“. Dass dem VN häufig nicht alles bewusst war, was der VR später in der Patientenakte ausgräbt, führt unmittelbar zum Vorwurf der Anzeigepflichtverletzung – eingeschlossen die Nichtleistung des VR.

Bei Dread Disease fragt man sich, ob es dann wirklich die häufigsten schweren oder nur eine Auswahl schwerer, seltenerer aber spektakulär bekannterer Krankheiten sind, die hier abgesichert werden. Es ist bereits kaum einzusehen, warum man Geld braucht, wenn man bestimmte ausgewählte Krankheiten hat, und nicht, wenn man andere ebenso schwere hat. Wenn man aus 49 Krankheiten 6 ankreuzen darf, für die der VN dann etwas bekommen soll, ist dies eher Glückspiel als Versicherung.

Versicherungsdeckung als Lotterie?

Nach dem Motto "Vor wovor haben Sie Angst?" - "Dass mir beim Sonnen ein Adler eine Schildkröte auf den Kopf fallen lässt!" "Dann schließen Sie eine Unfallversicherung gegen herabfallende Schildkröten ab." Leider war es dann die herabfallende Landeklappe eines Frachtflugzeugs im Landeanflug.

Haftungsfalle der strategischen Schadensregulierung

Dass im Schadensfall der VR legal versuchen wird, möglichst nichts zu leisten, ist zumindest bei Fachleuten allgemein bekannt. Den Vermittler müsste es zum Cross-Selling veranlassen; sei es eine Rechtsschutzversicherung oder ein Sparvertrag für den Aufbau einer eigenen Kriegskasse. Michael Imhof beschreibt in seinem Ratgeber über ärztliche Behandlungsfehler, dass Haftpflichtversicherer auch mit geringen Aussichten noch Prozesse führen, denn „jeder gewonnene Tag bedeutet also bares Geld“ für den VR: Patienten „werden in den jahrelangen Verfahren ausgelaugt und von den Hinhaltemanövern der Versicherungen so lange gequält und niedergerungen, bis der letzte Wille zur Gegenwehr erlischt“. Indes ist dies meist gar nicht so geplant, sondern nur Ergebnis mangelnder Entscheidungsstärke bei Leistungssachbearbeitern, die die Entscheidung lieber einem letztinstanzlichen Urteil überlassen.

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