Versicherungsvermittler: Zwischen Pflichterfüllung und Haftungsfalle

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Versicherungsvermittler müssen umfassende Beratungspflichten erfüllen. Warum das wesentlich schwieriger ist, als gedacht, zeigen Rechtsanwalt Dr. Johannes Fiala und Dipl.-Math. Peter Schramm im Gastbeitrag.

Peter Schramm, Beratungspflicht, Haftungsketter

Peter Schramm (Bild) erläutert im Gastbeitrag, warum Versicherungsvermittler zwischen Haftungsfalle und Pflichterfüllung stehen.

Der Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 10.03.2016, Az. I ZR 147/14) entschied: „Die Pflichten des Versicherungsmaklers zur Aufklärung und Beratung umfassen vor allem die Fragen, welche Risiken der Versicherungsnehmer absichern sollte, wie die effektivste Deckung erreicht werden kann, bei welchem Risikoträger die Absicherung vorgenommen werden kann und zu welcher Prämienhöhe welche Risikoabdeckung erhältlich ist. Ein Versicherungsmakler erfüllt diese Pflichten nicht allein dadurch, dass er ohne Prüfung und Erörterung im konkreten Fall den Versicherungsnehmer auf Lücken einer bestehenden Versicherung sowie die dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Risiken hinweist und einen Versicherungsschutz gegen alle Risiken empfiehlt.“
Für den Versicherungsvertreter gilt dies entsprechend, § 6 VVG.

Risikountersuchung und Objektprüfung

Die „Prüfung und Erörterung im konkreten Fall“ gleicht einer Sachverhaltsermittlung mit anschließender Bewertung und Rat. In der Lebensversicherung könnte der Makler haften, denn er hätte eine Dread Disease Versicherung vermitteln können, die auch dann bereits die Todesfall-Leistung auszahlt, wenn bestimmte schwere Krankheiten oder eine kurze Restlebenserwartung diagnostiziert werden. Ebenso kann bei kurzer Restlebenserwartung und Wunsch, ein bestimmtes Kind im Todesfall zu begünstigen, die Vermittlung einer Lebensversicherung ungeeignet sein – weil ein Bankvertrag zugunsten Dritter völlig ausgereicht hätte. Der spätere Widerruf eines Bezugsrechts durch die Erben, kann geradewegs zum Vorwurf einer Beratungslücke in der Vermittlung führen.

Versicherungsprodukte ohne Marktüberblick und Nachverhandeln

Allgemein besteht das Problem des Vermittlers darin, dass sein Sortiment beschränkt ist – sei es als Agent mit Zugriff nur auf die vorhandene Tarifwelt, sei es als Makler durch seine Anbindung etwa an Pools mit einer bestimmten Auswahl von Risikoträgern in der Zusammenarbeit.

Versicherungsbedingungen führen die Dinge auf, für die geleistet wird. Nur von diesen ausgehend wiederum dann das, was davon ausgeschlossen ist. Der normale Kunde merkt die Lücken gar nicht, weil er ja nicht weis, was es an Risiken abzudecken gibt.

So etwas wie DIN-Normen gibt es bei Versicherungen nicht. Durch das Baurecht ist damit zu rechnen, dass man beim Betreten des Hauses nicht gleich in den Keller fällt, weil etwa die Kellerdecke fehlt. Ein solches Gebäude wäre mangelhaft. Hingegen gibt es wenig, woran man die "Mangelhaftigkeit" einer Versicherung festmachen könnte - jedenfalls nicht bei den eigentlichen Leistungen.

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