Urteil: Meniskusschaden unabhängig von Stundenzahl

Berater von Martin Thaler

Ein Fußballer wollte einen Meniskusschaden als Berufskrankheit anerkennen lassen - die zuständige Berufsgenossenschaft verweigerte dies. Begründung: Zu geringe Wettkampfs- und Trainingszeiten. Nun musste das Dresdner Sozialgericht entscheiden.

2015 zog sich der Mainzer Elkin Soto (rechts am Boden) im Spiel gegen den Hamburger SV bei einem Zusammenprall mit Rafael van der Vaart einen Meniskusschaden zu.

2015 zog sich der Mainzer Elkin Soto (rechts am Boden) im Spiel gegen den Hamburger SV bei einem Zusammenprall mit Rafael van der Vaart einen Meniskusschaden zu. Foto: dpa

Um einen Meniskusschaden als Berufserkrankung anerkannt zu bekommen, muss ein Fußballer nicht zwingend eine jährliche Belastung von 1.600 Stunden vorweisen. Dies entschied nun das Sozialgericht Dresden (Az: S 5 U 233/16).  

Was war passiert?  

Ein 32-jähriger Dresdner hatte seit seinem siebten Lebensjahr Fußball gespielt. Aus dem Hobby machte er irgendwann seinen Beruf und spielte zwischen 2003 bis 2014 bei verschiedenen Vereinen der 1. und 2. Bundesliga.  

2006 erlitt er einen Meniskusriss. Nach Ende seiner Karriere beantragte er bei der Berufsgenossenschaft, die Erkrankung des Innenmeniskus des linken Kniegelenks als Berufskrankheit anzuerkennen. Dies lehnte die Berufsgenossenschaft jedoch ab, schließlich seien die Trainings- und Wettkampfzeiten in seiner Zeit als Profifußballer zu gering gewesen. Dagegen klagte der Mann.  

Das Dresdner Sozialgericht gab der Klage statt. Aus Sicht der Richter lag hier die Berufskrankheit 2102 vor („Meniskusschäden nach mehrjährigen andauernden oder häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastende Tätigkeiten“). Fußballer würden – wie auch andere Berufssportler – ihre Menisken überdurchschnittlich belasten. Dabei sei es nicht zwingend erforderlich, dass im Jahr mindestens 1.600 Stunden an kniebelastender Tätigkeit anfallen müssen.

Ein Sachverständiger hatte bei dem Dresdener für seine gesamte Tätigkeit als Berufsfußballer insgesamt über 5.700 Stunden die Kniegelenke überdurchschnittlich belastende Tätigkeit errechnet. Aus Sicht der Richter war damit erwiesen, dass der 2006 erlittene Meniskusschaden durch die berufliche Tätigkeit (mit-)verursacht worden war.  

Müllmänner: Gleiche Bewegungsabläufe wie Fußballer

Über die Anerkennung von Meniskusschäden als Berufskrankheit bei Profifußballern hatte 2013 das hessische Landessozialgericht geurteilt (Az: L 9 U 214/09) entschieden. Dieses hatte damals entschieden, dass bei in der ersten bis zur vierten Liga tätigen Fußballern ein aktiver Zeitraum von drei Jahren ausreiche, damit eine Meniskuserkrankung mit ausreichender Wahrscheinlichkeit auf den Sport zurückgeführt werden könne.  

Übrigens: Da die „unregelmäßigen Lauf- und Drehbewegungen beim Verbringen der Mülltonnen“ den Bewegungsabläufen von Fußballern ähnlich sind, gelten auch Meniskusverletzungen bei Müllmännern als Berufskrankheit (Urteil des Hessischen Landessozialgerichts von 2012; Az: 9 U 211/09).

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