Schlechtes Zeugnis für Neue Klassik

Berater von Florian Burghardt

In einer aktuellen Studie wurde die Verzinsung der Lebensversicherungen von 52 Anbietern untersucht. Von den Ergebnissen zeigten sich sogar die Studienautoren überrascht.

Produkte der Neuen Klassik wurden von Assekurata eher negativ bewertet. Foto: StockSnap/Pixabay

Eigentlich versprechen Lebensversicherungsprodukte aus dem Geschäftsfeld Neue Klassik vor allem Eines: Die Chance auf eine höhere Rendite im Vergleich zu klassischen Policen. Dafür verzichten Kunden größtenteils auf eine garantierte Verzinsung.

Dass diese Rechnung nicht aufzugehen scheint, geht aus einer aktuellen Studie zur Überschussbeteiligung deutscher Lebensversicherer der Ratingagentur Assekurata hervor. Teilgenommen haben 52 Unternehmen mit einem Marktanteil von 78 Prozent (gemessen an den verdienten Bruttoprämien). Sie gaben für den zugrunde gelegten Assekurata-Mustervertrag mit 25 Jahren Ansparzeit ihre Renditeberechnungen ab.

Mehr Risiko, weniger Ertrag

Mit 25 Versicherern bietet rund die Hälfte der Studienteilnehmer auch Produkte der Neuen Klassik an. Wie die Analyse für 2017 zeigt, liegen diese im arithmetischen Mittel der untersuchten Tarife mit einer laufenden Verzinsung von 2,44 Prozent 17 Basispunkte unter den klassischen LV-Produkten (2,61 Prozent). Im Vorjahr lagen Klassik und Neue Klassik bei der laufenden Verzinsung noch viel enger beieinander (2,86 Prozent zu 2,84 Prozent).

„Angesichts der reduzierten Garantien und des bestehenden Wettbewerbsumfeldes überrascht diese Entwicklung“, so Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. Bieten doch zehn der 25 Lebensversicherer bei ihren Neue Klassik-Tarifen nicht einmal mehr einen vollständigen Erhalt der eingezahlten Beiträge. Im Austausch gegen solche Garantien sollte die Verzinsung eigentlich steigen.

Zwar nennt das Analysehaus auch das Argument der illustrierten Beitragsrendite. Diese liegt bei der Neuen Klassik für 2017 bei 2,46 Prozent gegenüber 2,39 Prozent bei den klassischen Produkten. Diese Größe hängt aber auch von den Kapitalanlageergebnissen der Anbieter ab, die ihre deklarierten Überschüsse in spezielle Investment- oder Indexfonds investieren.

Anbieter, die von einer sehr optimistischen Anlageentwicklung ausgehen, nennen eine höhere illustrierte Beitragsrendite. Damit steigt aber auch das Risiko für den Kunden, dass dieses Ergebnis nicht erreicht wird.

Laufende Verzinsung sinkt insgesamt

Unter Berücksichtigung aller analysierten Produktarten und Tarifgenerationen hat Assekurata in der laufenden Verzinsung einen Marktdurchschnitt von 2,88 Prozent ermittelt. Dieser liegt damit um 0,23 Prozentpunkte unter dem Vorjahr (3,11 Prozent).

Aus Sicht der Ratingagentur müssen Bestandskunden auch in Zukunft im konventionellen Geschäft mit niedrigen Überschüssen beziehungsweise noch weiter sinkenden Renditen rechnen. Schuld daran ist nicht zuletzt die Zinszusatzreserve (ZZR), in die im vergangenen Jahr zwölf Milliarden Euro eingelegt wurden und die mittlerweile 44,1 Milliarden Euro beträgt.

Die Ratingagentur Fitch rechnet damit, dass die deutschen Lebensversicherer bis 2022 eine ZZR von 150 Milliarden Euro aufbauen muss. Assekurata selbst hält bis 2025 sogar 240 Milliarden für möglich.

Hoher Beratungsbedarf

Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will zieht aber noch ein weiteres Fazit aus seiner Studie. So seien im Neugeschäft große Unterschiede zwischen den Anbietern festzustellen.

Will weiter: „Kunden, die eine Lebensversicherung neu abschließen wollen, ist mehr denn je anzuraten, sich vorab intensiv mit der Anbieterqualität zu befassen.“ Ein Ratschlag, der sich auch für viele Makler als guter Beratungsansatz eignen dürfte.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare