Die Rentenkluft schrumpft, aber...

Berater von Martin Thaler

Die sogenannte Gender Pension Gap schließt sich - die Anwartschaften in der GRV zwischen Männern und Frauen gleichen sich folglich an. Das hat aber vor allem einen Grund.

Die Rentenkluft schrumpft. Das hat aber vor allem einen Grund.

Die Rentenkluft schrumpft. Das hat aber vor allem einen Grund. Foto: Martin Morgenstern

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Gesetzlichen Rente nehmen ab, die sogenannte „Gender Pension Gap“ schließt. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge fällt diese geschlechtsspezifische Rentenlücke für die in den Jahren 1966 bis 1970 Geborenen um 15 Prozent geringer aus als die für die in den Jahren 1936 bis 1945 Geborenen.  

Zum Hintergrund: Derzeit liegt die „Gender Pension Gap“ in der Gesetzlichen Rentenversicherung bei 42 Prozent – Bestandsrentner kommen im Durchschnitt auf 994 Euro im Westen (im Osten: 1057 Euro), Frauen im Westen hingegen nur auf 576 Euro (Ostdeutschland: 818 Euro).  

Entwarnung gibt es hinsichtlich der neuen Zahlen jedoch nicht: „Der Gender Pension Gap wird weiterhin groß bleiben, auch wenn er im Trend sinkt“, sagt DIW-Verteilungsexperte Markus Grabka. „Die Angleichung ergibt sich allerdings vor allem aus geringeren Renten bei den Männern und weniger aus deutlich steigenden Renten bei Frauen.“  

Die Gründe für die Unterschiede in der Rente zwischen Männern und Frauen sind vielfältig. So sind vor allem ältere Frauen schlechter ausgebildet: Zudem weisen sie in der Regel eine geringere Erwerbsbeteiligung auf, unterbrechen ihren Beruf öfter aufgrund familiärer Verpflichtungen (Kinder, Pflege von Familienangehörigen) und arbeiten häufiger in Teilzeit. Zudem arbeiten sie häufiger in schlechter bezahlten Branchen, so dass sie zumeist nur niedrigere Rentenanwartschaften erwerben.  

Sinkende Anwartschaften bei Männern

Ein Aufwärtstrend ist allerdings zu erkennen. Von den für die Studie verglichenen vier Altersgruppen erzielte die jüngste Frauengruppe – Jahrgänge 1966 bis 1970 – die höchsten Anwartschaften – allein weil sie stärker am Erwerbsleben beteiligt sind als die älteren Alterskohorten. Gegenüber den Jahrgängen 1936 bis 1945 wird sich die Rente der jüngsten untersuchten Altersgruppe um rund 90 Euro erhöhen. Im Osten bleibt die zu erwartende Rente indes nahezu gleich.  

Anders sieht es indes bei den Männern aus. Sowohl im Westen als auch im Osten sinken die Anwartschaften bei der jüngsten Altersgruppe.  Im Alter von 40 Jahren beträgt die Differenz zu der ältesten Kohorte bereits 130 Euro im Westen und 160 Euro im Osten. Bis zum Alter von 65 Jahren wird sich dieser Unterschied nach den vorliegenden Simulationen auf voraussichtlich 170 Euro im Westen und auf 220 Euro im Osten weiter vergrößern.  

Die Gründe: längere Ausbildungszeiten, längere Phasen der Arbeitslosigkeit sowie ein steigender Anteil von Teilzeitbeschäftigung.