„Die klassische bAV bietet große Chancen“

Berater Top News von Stefan Terliesner

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz wird die betriebliche Altersversorgung (bAV) nachhaltig verändern. procontra sprach mit Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender Talanx Pensionsmanagement und verantwortlich für bAV bei HDI, über das neue Sozialpartnermodell und die besonderen Gestaltungsmöglichkeiten der bAV mit Garantien.

Sieht durch das BRSG auch Chancen für Makler entstehen: Fabian von Löbbecke. Foto: HDI

Sieht durch das BRSG auch Chancen für Makler entstehen: Fabian von Löbbecke. Foto: HDI

procontra: Herr, von Löbbecke, was halten Sie vom Entwurf zum Betriebsrentenstärkungsgesetz?

Fabian von Löbbecke: Wir begrüßen das Ziel der Großen Koalition, die betriebliche Altersversorgung zu stärken. Leider wurde die Chance auf echte Reform vertan. Anstatt die bestehende bAV zu vereinfachen, wird mit der Tarifrente ein völlig neues Parallelsystem geschaffen - mit eigenen Regeln und Vorschriften. Die eigentlichen Hemmnisse, die einer weiteren Verbreitung im Wege stehen, ist der Gesetzgeber nicht angegangen: Weiterhin müssen Betriebsrentner doppelte Beiträge in der Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Weiterhin müssen Arbeitnehmer mehrere Durchführungswege miteinander kombinieren, um in den Genuss der vollen staatlichen Förderung zu kommen.

procontra: Mit „Parallelsystem“ meinen Sie das Sozialpartnermodell?

von Löbbecke: Ja. Ich finde die Idee der Zielrente prinzipiell gut. Bei diesem Modell gibt es eine feste Beitragszusage; die spätere Leistung wird jedoch nicht verbindlich festgelegt, sondern nur gewissenhaft geschätzt. Da Beitragszusagen mit garantierter Mindestleistung in Zeiten von Nullzinsen immer schwerer darzustellen sind, könnten Zielrenten ein guter Mittelweg sein. Allerdings sollte sie nicht nur dem Sozialpartnermodell vorbehalten bleiben, sondern auch der bewährten bAV offen stehen. Es wäre sinnvoll gewesen, zumindest flexible Garantiemodelle im Sozialpartnermodell zuzulassen. So ganz ohne Garantieoptionen wird das Sozialpartnermodell Arbeitnehmern schwer zu vermitteln sein, da sämtliche Risiken auf sie abgewälzt werden und keine Planungssicherheit für sie besteht.

procontra: Wird die bAV durch das Gesetz eher gestärkt oder geschwächt?

von Löbbecke: Es wird sich zeigen, wie die Sozialpartner sich hier positionieren werden. Die Gewerkschaften sind skeptisch, weil viele Arbeitnehmer ohne gewisse Mindestgarantien keine Altersversorgung abschließen. Die Arbeitgeber, weil nicht geklärt ist, was sie der Sicherungsbeitrag kosten wird. Wir erwarten jedoch positive Impulse für den bAV-Markt. Etablierte bAV-Anbieter könnten im Sozialpartnermodell sogar eine Schlüsselrolle einnehmen. Sie besitzen eine langjährige Expertise in der Entwicklung von Vorsorgeprodukten, in der Kapitalanlage und in der Verwaltung lebenslanger, kundenindividueller Versicherungskonten.

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