Das 1x1 der Winterschäden

Berater Top News von Martin Thaler

Glatteis, Schnee, strenger Frost: Der Winter kann Versicherte teuer zu stehen kommen. Doch worauf ist zu achten? Ein Überblick über die wichtigsten Urteile.

Im Winter gilt für Grundstücksbesitzer die Verkehrssicherungspflicht.

Im Winter gilt für Grundstücksbesitzer die Verkehrssicherungspflicht. Foto: Astrid Gast - fotolia.com

Glatteis, Schnee, strenger Frost – der Winter kann einiges an unliebsamen Überraschungen bereithalten, die arg ins Geld gehen können. Rechtsanwalt Sebastian Hofauer hat jüngst eine Zusammenfassung einiger Urteile erstellt, die einen Überblick über wichtige versicherungstechnische Fragen liefern.  

Frostbedingter Bruch von Wasserleitungen  

Leitungswasserschäden sind bei den Wohngebäude- und Hausratversicherern ein enormer Kostenfaktor. Allein 2015 mussten sie nach Angaben des Branchenverbands GDV insgesamt 2,6 Milliarden Euro für 1,3 Millionen geplatzte Wasserrohre leisten.  

"Ein Wasserrohrbruch kann erhebliche Schäden verursachen und langwierige Renovierungsarbeiten nach sich ziehen. Bundesweit meldet jeder achte Versicherte innerhalb von zehn Jahren Renovierungsbedarf", erklärte Roland Stoffels, Vorsitzender der Geschäftsführung der Generali Deutschland Schadenmanagement. Die Generali ließ 2015 im Rahmen der Erstellung ihres Risikoatlasses auch die durchschnittliche Renovierungskosten nach einem Wasserrohrbruch darstellen.

 

Durchschnittliche Renovierungskosten nach Wasserrohrbruch
StadtKosten im Durchschnitt
Stuttgart2.518 Euro
München2.420 Euro
Frankfurt am Main 2.230 Euro
Nürnberg2.065 Euro
Leipzig1.562 Euro
Berlin1.512 Euro
Dresden 1.453 Euro

Doch wann kann die Versicherung Leistungen kürzen, welche Obliegenheiten haben die Kunden?   Mehrere Gerichte (OLG Stuttgart, 1989, Az: 10 U 137/88; LG Düsseldorf, 1997, Az: 11 O 269/96) erklärten beispielsweise das Nichtabsperren und Nichtentleeren von Wasserleitungen in leerstehenden Teilen des Hauses als grob fahrlässig.  

Das OLG Frankfurt (2002, Az: 3 U 165/01) entschied darüber hinaus, dass während Frostperioden vom Versicherungsnehmer zumindest halbwöchentliche Kontrollen der Heizungsanlage durchzuführen sind.

Glätte  

Glätte kann besonders tückisch sein – einmal nicht aufgepasst, kurz die Balance verloren, schon kann es zu einem Sturz mit schwerwiegenden Folgen kommen. Hier haben Grundstückbesitzer – oder aber auch Mieter - eine Verkehrssicherungspflicht, die nicht nur das eigene Grundstück umfasst, sondern auch öffentliche Gehwege vor dem Haus. Dies ist aber von der jeweiligen Gemeindeordnung abhängig.

Diese Pflicht umfasst auch Privatwege, wenn sie von der Öffentlichkeit genutzt werden – jedoch reicht es in der Regel, einen bestimmten Bereich und nicht den Weg in seiner gesamten Breite frei zu räumen (LG Coburg, 2014, Az: 41 O 675/13).  

Sind im Bereich eines Grundstücks jedoch nur vereinzelte Glättestellen ohne erkennbare Anzeichen für eine ernsthafte Gefahr vorhanden, muss nicht von einer allgemeinen Glättebildung ausgegangen werden, die eine Streupflicht begründen könnte, wie der Bundesgerichtshof 2012 entschied (Az: VI ZR 138/11). Der Hausbesitzer ist somit nicht zum Schadensersatz zu verpflichten.  

Eiszapfen  

Zur Verkehrssicherungspflicht gehört auch das Entfernen von Eiszapfen bzw. Eisbrocken. Hat er Hauseigentümer jedoch sämtliche Angelegenheiten, die zur ordnungsgemäßen Verwaltung des Anwesens notwendig sind, an eine Hausverwaltung übertragen, ist damit auch ein Übergang der Verkehrssicherungspflicht an diese eingeschlossen. (OLG München, 2013, Az: 1 U 4539/12).

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