bAV-Reform: Verdient das BRSG seinen Namen?

Versicherungen Top News von Stefan Terliesner

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz will die Verbreitung der bAV auch in kleineren und mittleren Unternehmen fördern. Ob es seinen Namen verdient hat und wie man den Angestellten die Angst vor Aktien nimmt, erklärt Richard Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Kölner Heubeck AG im procontra-Interview.

Vorsitzender der Heubeck AG: Richard Herrmann.

Vorsitzender der Heubeck AG: Richard Herrmann. Foto: Heubeck

procontra: Herr Herrmann, hat das Betriebsrentenstärkungsgesetz seinen Namen verdient?  

Richard Hermann: Die reine Beitragszusage gibt es bisher nur im Ausland. Jetzt kommt sie nach Deutschland. Mit ihr wird eine zusätzliche Form der betrieblichen Altersversorgung eingeführt, bei der Arbeitgeber aus der Haftung für Kapitalerträge entlassen werden. Gerade für den Mittelstand sind langfristige Verpflichtungen ein großes Hemmnis. Von daher wird die Betriebsrente gestärkt und die Verbreitung gefördert.  

procontra: Bekommen die Arbeitgeber diesen Anreiz ohne Gegenleistung?  

Herrmann: Wenn die Entgeltumwandlung, auf die Arbeitnehmer ja einen Rechtsanspruch haben, über die reine Beitragszusage gemacht wird, dann muss der Arbeitgeber 15 Prozent des umgewandelten Betrages zusätzlich in die betriebliche Altersversorgung stecken. Das entspricht in der Höhe den eingesparten Arbeitgebersozialbeiträgen. Er muss also zumindest kein zusätzliches Geld in die Hand nehmen. Falls die Entgeltumwandlung auf traditionellem Weg erfolgt, muss der Arbeitgeber keinen Beitrag leisten.

procontra: Der Gesetzgeber will die Rolle der Tarifparteien bei der Organisation der bAV stärken. Schreckt das auf ihre Unabhängigkeit bedachten kleinen und mittleren Unternehmen nicht eher ab?  

Herrmann: Das muss sich jetzt in der Praxis zeigen. Wir sind ja noch ganz am Anfang. Hinter der Einbindung der Tarifparteien steht der Gedanke, dass beide Seiten auf Augenhöhe verhandeln sollen. Zunächst aber muss das Gesetz von den Arbeitgebern und den Gewerkschaften akzeptiert werden. Das heißt, sie müssen für die Durchführungswege Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung neue Zusagen entwickeln. Erst wenn die einschlägigen Tarifmodelle für die jeweiligen Branchen vorliegen, können nichttarifgebundene Unternehmen diese übernehmen.  

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