Wo sind all die Kunden hin?

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Die Versicherer müssen sich in Deutschland laut einer neuen Studie auf stark einbrechende Kundenzahlen gefasst machen. Woran das liegt und welche Versicherungen besonders betroffen sind, lesen Sie hier.

Augen auf nach neuen Kunden.

Augen auf nach neuen Kunden. Foto: nightowl - Pixabay.de

Wo sind all die Kunden hin? Diese Fragen werden sich im Jahr 2050 womöglich zahlreiche Versicherer stellen. Denn die Zahl ihrer Kunden wird einbrechen, um mehr als vier Millionen, wie eine Studie des Instituts für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF) offenbart.  

Als Grund hierfür machen die Forscher die demographische Entwicklung fest. Längeres Leben und nur wenig Nachwuchs würden dazu führen, dass immer weniger Menschen unter 60 Jahren in Deutschland leben, wohingegen die Zahl der Über-60-Jährigen beständig ansteigt (bis 2050 von 9,9 auf 10,5 Millionen).  

Die Forscher fanden heraus, dass insbesondere die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen die höchste Zahl an Versicherten aufweise. Diese Gruppe werde allerdings bis 2050 um knapp ein Viertel sinken, von derzeit 13,2 auf 9,9 Millionen.  

Abnehmen wird auch die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen von 9,7 auf 7,8 Millionen. Diese Altersgruppe ist deswegen entscheidend, weil sie meisten potenziellen Neukunden beinhaltet.  

Diese Versicherungen leiden besonders

Mit den demographischen Verschiebungen geht auch ein Kundenverlust für die Versicherer einher. Besonders deutlich wird dabei der Kundenlust bei den privaten Haftpflichtversicherungen ausfallen – 4,61 Millionen weniger Kunden werde es 2050 geben, schätzen die IMWF-Forscher. Stark zurückgehen wird auch die Anzahl an KfZ-Haftpflichtversicherungen (-4,33 Millionen) sowie der Hausratversicherungen (-4,15 Millionen).  

Die Folge hieraus seien steigende Schadenquoten für die Versicherungen und nur wenig Potenzial fürs Neugeschäft, mit dem die Verluste ausgeglichen werden könnten. Als Beispiel nannten die Studienautoren die Kranken- und Pflegeversicherung. Um die durch die demographischen Verschiebungen entstehenden steigenden Kosten kompensieren zu können, müssten die Beiträge steigen. Hierdurch würde sich allerdings die Akquise von Neukunden verschärfen.  

„Dieser Spirale der Risikoverschlechterung sollten Versicherer frühzeitig begegnen, denn die Basis für die zukünftige Versichertenstruktur wird schon heute gelegt", mahnt Wilhelm Alms, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des IMWF. „Nur wer heute mit einer klugen Produkt-, Marken- und Vertriebsstrategie jüngere Zielgruppen gezielt bindet, wird in dem sich stetig verschärfenden Verdrängungswettbewerb im Versicherungsmarkt langfristig überleben."

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