PKV: Verband träumt von Aufwärtstrend

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Der PKV-Verband hat Zahlen für 2016 veröffentlicht. Obwohl die Zahl der Vollversicherten weiter sank, redet sich der Verband eine Trendwende herbei. Hat er damit Recht?

Auch 2016 sank die Zahl der Vollversicherten weiter.

Auch 2016 sank die Zahl der Vollversicherten in der PKV weiter.

Es wirkt ein wenig bizarr, wenn man sich die am heutigen Donnerstag veröffentlichte Pressemeldung unter dem Titel „In der Privaten Vollversicherung geht es wieder deutlich aufwärts“ des PKV-Verbandes durchliest. In dieser gab der Verband – parallel zum GDV – die Zahlen für das vergangene Jahr bekannt.   Die Tonalität der Meldung fällt dabei – für eine Pressemitteilung nicht unüblich – äußerst positiv aus.

Zitiert wird der Verbandsvorsitzende Uwe Laue mit den Worten: „Die Private Krankenversicherung ist auch 2016 weiter gewachsen. Nach den Hochrechnungen für das vergangene Jahr stieg die Gesamtzahl an Versicherungen auf 33,87 Millionen Voll- und Zusatzversicherungen.“  

Dass die Zahl der Zusatzversicherungen seit Jahren steigt, ist hinlänglich bekannt. So überraschen die Zahlen des Verbands, wonach die Zahl der Zusatzversicherungen im Bereich PKV im Jahr 2016 die 25-Millionen-Marke überschritten (25,1 Millionen, ein Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), auch nicht wirklich.  

Interessant hingegen ist die Argumentation im Bereich der Vollversicherungen. Hier ist die Zahl der Verträge seit einigen Jahren rückläufig, auch 2016 stellt hierbei keine Ausnahme dar. So verringerte sich die Zahl der Vollversicherten gegenüber 2015 um 17.300 (minus 0,2 Prozent) auf nun 8,77 Millionen.

Angesichts dieser Zahlen ist es schon bemerkenswert, mit welchem optimistischen Brustton Uwe Laue erklärt: „Auch in der Vollversicherung hat sich die Lage der PKV wieder deutlich verbessert.“ Als Argument für seine These zieht Laue die Entwicklung im zweiten Halbjahr des Jahres heran. Hier habe die PKV erstmals seit 2012 wieder einen positiven Saldo im Nettoneuzugang verzeichnet. Genaue Zahlen, die dies untermauern könnten, bleiben indes aus.  

Schlechte Aussichten für weiteres Wachstum

Stattdessen wird mitgeteilt, dass ein Großteil der 120.000 Privatversicherten, die 2016 in die Gesetzliche Krankenversicherung wechselten (andersherum waren es 121.000 Personen), dies nicht freiwillig taten. Sei es, weil privatversicherte junge Menschen ins Berufsleben starteten oder von der Selbstständigkeit in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis wechselten.  

Dass in der PKV, wie in der Pressemitteilung suggeriert wird, nun eine Trendwende eingesetzt hat, bleibt zweifelhaft. Denn die Rahmenbedingungen werden nicht leichter. So wurde die Versichertenpflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung für dieses Jahr erst angehoben auf nunmehr 57.600 Euro (2016: 56.250 Euro).

Auch sonst macht das Analysehaus Assekurata wenig Hoffnung auf mehr Wachstum:  „Wachstum ist in der Vollversicherung somit weiterhin nicht in Sicht. Zu groß scheinen im Zuge der Niedrigzinsen die Verunsicherung und die Angst vor der Unbezahlbarkeit der PKV-Beiträge im Alter auf Seiten der potenziellen Kunden aber auch der Vermittler zu sein“, hieß es von Seiten von Assekurata vergangenes Jahr.  

Hinzu kommt die neuentfachte Debatte um das Thema Bürgerversicherung, die angesichts der Bundestagswahl im Herbst 2017 derzeit wieder an Fahrt gewinnt.

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