KGV in neuen Sphären

Investmentfonds Top News von Stefan Terliesner

Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld scheint es an der Zeit, herkömmliche Bewertungskennziffern auf den Prüfstand zu stellen. Oder anders: Wann ist eine Aktie eigentlich teuer?

Knackt der DAX 2017 seine bisherigen Rekordmarke?

Knackt der DAX 2017 seine bisherigen Rekordmarke? Foto: Robert Kulon

Das Allzeithoch ist zum Greifen nah. Der DAX hat allerbeste Chancen, im Jahr 2017 seine bisherige Bestmarke bei rund 12.300 Punkten zu knacken. Die deutsche Wirtschaft brummt. Der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts ist im Oktober zum zweiten Mal in Folge deutlich angestiegen und hat das höchste Niveau seit April 2014 erreicht. „Der Aufschwung gewinnt an Fahrt“, stellt ifo-Präsident Clemens Fuest fest. Die Hausse daheim ist fundamental also gut begründet. In den USA haben die Börsenbarometer Dow Jones Industrial Average-Index und S&P 500 bereits im Sommer 2016 jeweils ihr Allzeithoch markiert – bei 18.000 beziehungsweise 2.100 Punkten.  

Bewertung statt Bewegung

Angesichts der an beiden Seiten des Atlantiks erreichten Kurshöhen stellen sich Privatanleger wieder die Frage: Ist es zu spät einzusteigen? Oder gar zu früh? Ihnen sei gesagt: Generell liefern nicht die jüngsten Kursbewegungen eine Antwort, sondern die sogenannte Bewertung. Ist eine Aktie günstig, lohnt sich der Einstieg. Ist sie teuer, eher nicht. Eine zentrale Kennziffer, die dafür zurate gezogen wird, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). 

Benjamin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien beim Vermögensverwalter Union Investment, erklärt: „Mit dieser Kennziffer lassen sich Aktien einerseits historisch vergleichen – also die Frage beantworten, ob eine Aktie, Stand heute, relativ zu den Bewertungsniveaus der Vergangenheit eher teuer oder billig ist. Andererseits erlaubt das KGV den Vergleich von Wertpapieren untereinander: Welches ist relativ teuer, welches günstig?“ Dabei ist es natürlich sinnvoll, vor allem Unternehmen derselben Branche miteinander zu vergleichen.  

Kriterium Gewinnentwicklung 

Da die Kurs-Gewinn-Verhältnisse immer auf Basis der in den nächsten zwölf Monaten erwarteten Gewinne berichtet werden, kommt der aktuellen Ertragslage und den Ausblicken der Unternehmen eine zentrale Bedeutung zu. Carsten Klude, Chefvolkswirt der Privatbank M.M.Warburg, und sein Team haben für den marktbreiten US-Index S&P 500 ein KGV von rund 17 errechnet. Das sei höher als in den vergangenen zehn Jahren. Die Aktien großer deutscher Konzerne dagegen seien günstig. 

Nicht einmal mit Blick auf die USA rät er generell von einem Engagement am Aktienmarkt ab. „Die hohe Bewertung relativiert sich, wenn man die Bewertung anderer Vermögensklassen wie Anleihen, aber auch Gold und Immobilien betrachtet“, sagt Klude. Er rechnet damit, dass sich das Wachstum der Unternehmensgewinne zum Jahreswechsel wieder beschleunigt. Die Analysten würden in allen vier Quartalen 2017 jeweils prozentual zweistellige Zuwachsraten erwarten. „Blieben die Bewertungen unverändert, errechnet sich bis Ende 2017 ein Kursziel für den S&P 500 von knapp 2.500 Punkten“, wagt der Chefökonom eine Prognose. Für den DAX prognostiziert Klude für denselben Zeitraum einen Anstieg auf 12.300 Punkte – also genau bis auf sein bisheriges Allzeithoch.

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