Die psychologischen Taschenspielertricks des WDR

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Versicherungsmakler sind einzig daran interessiert, ihren Kunden möglichst viele Versicherungen zu verkaufen. Diese Botschaft scheint der WDR unter allen Umständen ins Volk bringen zu wollen, kommentiert Martin Thaler.

In der Sendung Quarks & Co ging es um das Thema Versicherungen.

In der Sendung Quarks & Co ging es um das Thema Versicherungen. Foto: Screenshot WDR

Kennen Sie das Sargdeckelklappern? Geldscheine zum Anfassen für Ihre Kunden? Das Kuscheltier? Haben Sie von diesen Verkaufspraktiken schon einmal gehört? 

Wenn nicht, lohnt sich ein Blick in die WDR-Sendung Quarks & Co. vom 10. Januar. Bestandteil dieser Sendung war ein Ausschnitt, der unter der Überschrift „Die Tricks der Versicherungsmakler“ (im Video ab Minute 6:30).

Zu Wort kam hier Versicherungsmakler Walter Benda, der dem Zuschauer - laut Teasertext -„die Tricks seiner Kollegen“ verrät. Zum Beispiel besagtes Sargdeckelklappern. „Es gibt einen Moment, wo Gier oder Angst eine so große Einflussnahme auf ihre Entscheidung haben, dass eine rein rationale Steuerung nicht mehr möglich ist. Und wenn sie genügend Angst gemacht haben, also genug mit dem Sargdeckel geklappert haben, dann steigt in einigen Fällen die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand zu etwas drängen lässt, was er eigentlich nicht möchte“, fasst Benda die Praktik zusammen um im Anschluss weitere psychologische Taschenspielertricks zu enthüllen.  

Der Tenor hinter all diesen Verkaufsmaschen: Der Versicherungsmakler ist einzig am Verkauf der Versicherungsprodukte interessiert, das Kundenwohl ist hingegen optional.  

Gezeichnet wird hier ein pauschalisiertes Bild vom gierigen Versicherungsmakler, der Verweis auf Risiken als Panikmache diskreditiert und der Verbraucher praktisch mit der Botschaft zurückgelassen, dass Maklern nicht zu trauen ist. Eine zweite Meinung wird vom WDR gar nicht erst eingeholt, schließlich ist die hier vermittelte Botschaft so schön einfach und griffig.  

Dabei hätte man sich beim WDR einfach einmal die Mühe machen können, sich die Homepages einiger Makler anzuschauen. Oftmals sind hier eingescannte Dankesschreiben seitens der Kunden aufgeführt, in denen diese sich für die gute Beratung bedanken. Macht man das, wenn man von seinem Versicherungsmakler zuvor mal so ordentlich über den Tisch gezogen wurde?  

Zudem, und hier fängt es nun wirklich an, journalistisch bedenklich zu werden: Walter Benda bestreitet, die im Beitrag verwendeten Aussagen auf Makler bezogen zu haben. Wie er auf seiner Facebook-Page schreibt, habe er während des Drehs mehrfach darauf hingewiesen, dass er sich mit seinen Aussagen auf Vermittler, nicht aber auf Makler beziehe. Zudem würden einige Sachen hart aus dem Zusammenhang gerissen. 

Kennt man also in der "Quarks & Co"-Redaktion nicht den Unterschied zwischen Versicherungsmakler und -vertreter? Oder lässt man diese Differenzierung aus dramaturgischen Gründen bewusst außen vor?

Wie auch immer: Zurück bleibt nicht nur ein Zerrbild, das nicht nur zu Ungunsten von Benda, sondern auch zu Ungunsten der Verbraucher ausfällt. Diesen wird hier nämlich suggeriert, dass sie eigentlich niemanden haben, der ihnen in Versicherungssachen zur Seite steht, sondern nur solche, die auf Seiten der Versicherer stehen und deren Produkte möglichst kompromisslos unters Volk bringen wollen. Zurück bleibt Ratlosigkeit. Und Unverständnis, was mit solch einem Beitrag für ein Ziel verfolgt wird. Informationsaufbereitung für den Verbraucher ist es nämlich nicht. 

Update: Auf procontra-Nachfrage bestätigte der WDR die Aussage von Makler Benda, dass dieser im Gespräch von Vermittlern gesprochen habe. Man habe aber aus Gründen der Vereinfachung generell von Maklern gesprochen.  

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