„Die Börsen schwimmen auf der Trump-Welle“

Investmentfonds Top News von Stefan Terliesner

procontra sprach mit Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG, über die Macht des neuen US-Präsidenten, die Ohnmacht der Notenbanken und die Perspektiven für Aktien.

USA Trump Kapitalmarkt Notenbank Robert Halver

Robert Halver, Kapitalmarktanalyst der Baader Bank, im Interview über die Perspektiven für Aktien nach der US-Wahl. Bild: dpa

procontra: Hat auch Sie die „Trumphorie“ erfasst?

Robert Halver: Der neue US-Präsident Donald Trump muss jetzt liefern, sonst kommt es zur „Trumphobie“. Er muss gemäß seinem entscheidenden Wahlversprechen eins schaffen: Jobs, Jobs, Jobs. Ohne die Unternehmenssteuern massiv zu senken, die Infrastruktur im Land auf Vordermann zu bringen und die Bürokratie deutlich abzubauen, wird dies nicht gelingen. Dazu wird er gigantisch neue Schulden machen. Ohnehin ist er als Geschäftsmann nicht zimperlich. Er agiert nach dem Motto: Bist Du nicht willig, brauche ich - der Cäsar - Gewalt: In die USA exportierende Firmen können Importzölle eigentlich nur entgehen, wenn sie dort Arbeitsplätze aufbauen. Genau diesen Weg werden deutsche Konzerne gehen. So will man Cäsar handelsprotektionistisch milde stimmen.

procontra: Profitieren die Aktienkurse in den USA davon?

Halver: In den aktuellen Kursen sind schon viele dieser Konjunkturhoffnungen enthalten. Nach der Euphorie der vergangenen Wochen dürfte jetzt erst einmal etwas Ruhe einkehren. Die Investoren warten ab, wie schnell Trump seine Pläne tatsächlich umsetzen kann. Doch wenn er liefert, werden die Aktienkurse weiter steigen. Ihre hohe Bewertung wird dann durch höhere Unternehmensgewinne entspannt.

procontra: Wie schätzen Sie die Situation in Europa ein?

Halver: Im Moment schwimmen die europäischen Börsen mit auf der Trump-Welle. Man erhofft sich einen von den USA ausgehenden Weltwirtschaftsboom. Auch erwartet man, dass sich Exportnationen wie Deutschland aus nachvollziehbaren Gründen nicht gegen Trump stellen und die Exportwirtschaft zur Abwendung von Importzöllen mehr in den USA, auch in Arbeitsplätze investiert. Das bekämpft Trump’schen Handelsprotektionismus. Bedrohlicher als der Trumpismus ist jedoch die Eurosklerose. In Europa gibt es viel politische Unsicherheit in den Aktienmärkten, insbesondere auch wegen der Nationalwahlen in den Niederlanden, Frankreich und eventuell Italien. Doch wenn im Mai die politischen Klippen umschifft sind, werden die Aktienkurse, von den politischen Fesseln, wieder Fahrt aufnehmen.

procontra: Droht von der Zinsseite keine Gefahr?

Halver: Stiegen die Zinsen, wäre das in der Tat eine Gefahr. Denn es gäbe eine attraktive Alternativanlage zu Aktien. Dann würde die Aktienhausse so aufgefressen wie die Gans vom Fuchs. Diese deutliche Zinswende erwarte ich aber nicht von der US-Notenbank und schon gar nicht von der EZB. Die Zinswende wird homöopathisch, ein Zinswendchen sein.

procontra: Die drei bereits angekündigten Leitzinserhöhungen der Fed spielen keine Rolle?

Halver: Diese drei Zinserhöhungen sind weitgehend in den Aktienkursen eingepreist. Die Finanzhistorie zeigt im Übrigen, dass anfängliche Zinserhöhungen mit steigenden Aktien einhergehen. Sie sind der Beweis für eine bessere Konjunktur und damit bessere Unternehmensgewinne. Einen massiven Zinserhöhungszyklus in den USA - der Gau für Aktien - erwarte ich nicht. Die Verschuldung in den USA ist viel zu hoch. Da schmerzten höhere Schuldzinsen zu sehr. Außerdem machten sie den US-Dollar zu teuer, was Amerikas Exporte behinderte. Grundsätzlich ist die internationale Verschuldungsblase so groß, dass übermäßig steigende Zinsen ein Platzen bewirken könnten. Dagegen wäre das Bersten der Immobilienblase 2008 nur ein Kindergeburtstag gewesen. Dann wäre ein finaler Kollaps des Finanzsystems nicht mehr auszuschließen. Ohnehin betreibt die EZB Sozialpolitik mit billigem Geld. Denn nur so lassen sich Sozialleistungen überhaupt noch finanzieren und schwere soziale Probleme verhindern. Aus ihrer Rettungsnummer kommen die Notenbanken nicht mehr heraus. Sie sind ohnmächtig dazu gezwungen, allmächtig zu sein.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare