Carbon-Ausstieg birgt unterschätzte Risiken

Investmentfonds Top News von Stefan Terliesner

Abkehr von Kohle, Öl und Gas... und dann? Deutsche Anleger scheint der Ausstieg nicht weiter zu beeindrucken, so eine Studie. Demnach sind die entsprechenden Rohstoffvorkommen und damit auch etliche Börsenkurse deutlich überbewertet.

Carbon-Bubble: Anleger unterschätzten Risiken

Auf Glück allein sollte man sich bei der Geldanlage nicht verlassen. Anlagestrategien sind zu hinterfragen. Fotolia / pixs:sell

Deutsche Investoren unterschätzen das Risiko einer möglichen Carbon-Blase für die Kapitalmärkte deutlich. Zu diesem Ergebnis kommt das FERI Cognitive Finance Institute in einer gemeinsamen Studie mit dem WWF Deutschland. Die Studie „Carbon Bubble und Dekarbonisierung“ analysiert mögliche Auswirkungen einer Abkehr von kohlenstoffhaltigen Energieträgern auf die Kapitalmärkte.

UN-Klimaziele verschieben die Gewichte

„Industrien und Geschäftsmodelle, die auf fossilen Brennstoffen beruhen, sehen sich gravierenden Einschränkungen und schärferen Regulierungen durch die Politik ausgesetzt“, sagt Heinz-Werner Rapp von FERI und Initiator der Studie. Im Zuge der UN-Klimaziele veränderten sich Erfolgsaussichten von Branchen grundlegend. Speziell die Bewertungen von Öl- und Gasreserven, die sich auch in den Börsenkursen der Unternehmen widerspiegeln, seien vor diesem Hintergrund massiv überhöht. „Dieses Risiko einer Carbon Bubble wird vor allem von Investoren in Deutschland noch stark unterschätzt“, meint Rapp.

„Die Aufgabe emissionsintensiver Geschäftsmodelle werden wir in vielen Bereichen auch jenseits von Öl und Kohle sehen“, ist auch Matthias Kopp vom WWF Deutschland überzeugt. Um die Einhaltung UN-Klimaziele in Deutschland gewährleisten zu können, müssten laut WWF bis zum Jahr 2035 Braun- und Steinkohle komplett durch klimafreundlichere Energien ersetzt werden. Eine gezielte Politik der Dekarbonisierung würde weltweit Vermögenswerte reduzieren. Nach Schätzungen externer Experten könnten an den Börsen Vermögensverluste von bis zu 1,5 Billionen Dollar entstehen.

Strategische Neuausrichtung erforderlich

Laut Studie betreffe die „Carbon-Blase“ insbesondere Portfolios von institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Versicherern. „Unsere Szenariorechnungen zeigen, dass Wertverluste aus Carbon-Risiken dort den gesamten Zinsertrag eines Jahres vernichten könnten“, warnt Rapp.
Vorsicht sei auch bei den weit verbreiteten passiven Investmentstrategien angebracht. Die in den klassischen Indizes enthaltenen Carbon-Risiken seien Investoren oftmals nicht bewusst. Noch stärkere Effekte ergäben sich bei Value-basierten Portfolios mit Fokus auf bestimmte Branchen- oder Dividendentitel. Dort könnte ein Platzen der Carbon-Blase zu sehr deutlichen Verlusten führen. „Das betrifft auch Privatanleger“, so Rapp. Bislang hätten sich Investoren in Deutschland mit diesem Thema nicht ausreichend beschäftigt. Eine systematische Risikoanalyse sowie eine strategische Neuausrichtung der Investitionsentscheidungen seien somit dringend erforderlich.

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