BGH verurteilt Versicherungs-Praxis von Opodo

Versicherungen von Martin Thaler

Konkret ging es um den Vertrieb von Reiseversicherungen. Kunden von opodo.de wurden gedrängt, entsprechende Versicherungen abzuschließen. Dabei wurde ihnen die freie Entscheidung erschwert, urteilten die Karlsruher Richter.

Der Bundesgerichtshof entschied gegen den Portalbetreiber Opodo.

Der Bundesgerichtshof entschied gegen den Portalbetreiber Opodo. Foto: Bundesgerichtshof

Einmal nicht aufgepasst, ein Häkchen falsch gesetzt, schon hat man eine Reiseversicherung abgeschlossen, die man eigentlich gar nicht wollte. Worüber sich lange Zeit viele Verbraucher ärgerten, soll in Zukunft so nicht mehr möglich sein. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Kunden bei Online-Reiseanbieter die freie Entscheidung über den Abschluss einer Reiseversicherung haben müssen und Informationen über hierdurch anfallende Zusatzkosten nicht verschleiert werden dürfen (Az: I ZR 160/15).  

Was war passiert?  

Geklagt hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) gegen den in London sitzenden Betreiber des Reiseportals opodo.de. Die Verbraucherschützer kritisierten, dass das Portal durch bestimmte Voreinstellungen bei der Buchung die freie Entscheidung gegen eine Reiseversicherung erschwerte. „Der Online-Buchungsablauf einer Reise über opodo.de drängt Verbraucher dazu, eine Versicherung abzuschließen und damit mehr zu zahlen“, erklärte vzbv-Rechtsexpertin Kerstin Hoppe.  

So mussten Kunden die Auswahl „Ich verzichte ausdrücklich auf den angebotenen Versicherungsschutz und zahle im Notfall alle Kosten selbst“ treffen. Danach erschien ein Fenster mit dem Titel „Sie haben entschieden, ohne Versicherungsschutz zu verreisen.“ Dieses beinhaltete zwei Felder – ein grafisch und farblich hervorgehebenes Feld „Weiter – ich möchte abgesichert sein“ sowie ein weiteres, weit weniger ins Auge stechendes Feld „Weiter ohne Versicherung“.  

Der BGH sah dies ebenso und bestätigte die Urteile der Vorinstanzen. Die Gestaltung des Buchungsvorgangs entspräche nicht den Voraussetzungen einer klaren, transparenten sowie eindeutigen Mitteilung über Zusatzkosten und sei ein Verstoß gegen die europäische Luftverkehrsdienste-Verordnung.

Die Begründung des Urteils finden Sie hier.