bAV: Steuerzins hemmt Verbreitung der Direktzusage

Versicherungen von Stefan Terliesner

Unternehmen empfinden einer neuen Umfrage zufolge Unterschiede in der Bewertung von Pensionslasten zwischen Handels- und Steuerbilanz als ungerecht. So komme es zu einer Benachteiligung gegenüber Unternehmen, die keine bAV anbieten.

Thomas Hagemann, Chefaktuar bei Mercer.

Thomas Hagemann, Chefaktuar bei Mercer. Foto: Screenshot Vimeo/ Mercer

Mehr als 94 Prozent der Unternehmen empfinden die Unterschiede in der Bewertung von Pensionsverpflichtungen zwischen Handels- und Steuerbilanz als ungerecht. Etwa die Hälfte davon hält sie sogar für sehr ungerecht. Das Festhalten am steuerlichen Rechnungszins von 6 Prozent können folgerichtig auch mehr als 84 Prozent der Unternehmen nicht nachvollziehen. Dies sind die Ergebnisse einer Mercer-Umfrage unter 80 deutschen Unternehmen.  

Höherer Gewinn in der Steuerbilanz  

Weiter berichtet die Unternehmensberatung Mercer in einer Pressemitteilung, dass durch die anhaltend niedrigen Zinsen die Pensionsverpflichtungen in den Bilanzen immer weiter ansteigen. Zwar sei der Effekt in den internationalen Bilanzen am stärksten ausgeprägt – mittlerweile lägen die Verpflichtungen allein im DAX bei etwa 407 Milliarden Euro – doch auch für HGB-Bilanzierer werde die Lage schwieriger. Zum Jahresende mussten Pensionsverpflichtungen in der Handelsbilanz mit 4,01 Prozent abgezinst werden.

Ein Problem sei, dass für dieselben Verpflichtungen steuerlich unverändert mit 6 Prozent gerechnet werden muss. Unternehmen mit Direktzusagen müssten somit in ihrer Steuerbilanz höhere Gewinne als in der Handelsbilanz ausweisen. Sie würden damit gegenüber Unternehmen, die andere Durchführungswege nutzen oder überhaupt keine betriebliche Altersversorgung (bAV) anbieten, benachteiligt.

Verfassungswidrige Praxis?  

„Die Pensionsverpflichtungen werden damit künstlich kleingerechnet und die Unternehmen bestraft. Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass diese Praxis verfassungswidrig ist“, wird Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland, in dem Pressetext zitiert. Denn: „Ein Unternehmen, dessen Pensionsverpflichtungen nur durch die Zinsentwicklung um 100.000 Euro angestiegen sind und das ohne diesen Anstieg einen Gewinn von 100.000 Euro verbucht hätte, erzielt im Ergebnis keinen Gewinn. Gleichzeitig muss das Unternehmen aufgrund des höheren steuerlichen Zinses aber einen Gewinn von 100.000 Euro versteuern – obwohl es diesen Gewinn tatsächlich gar nicht gibt.“  

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